Public Manager
10.10.2023 | Energie, Stadtplanung

Die Stadt Treuchtlingen will bis 2035 klimaneutral werden

Die Stadt Treuchtlingen hat sich vorgenommen, bis spätestens 2035 eine klimaneutrale Energieversorgung umzusetzen und hat dafür Experten der Siemens AG sowie des Campus Feuchtwangen, einer Außenstelle der Hochschule Ansbach, mit einer Machbarkeitsstudie sowie einem Energiekonzept beauftragt. Als Energiekonzept soll der künftige Bedarf von Wärme, Strom und Kraftstoffen im gesamten Netzgebiet der Stadtwerke Treuchtlingen ermittelt werden.

Die Stadt Treuchtlingen will bis 2035 klimaneutral werden

Treuchtlingens erklärtes Ziel: Ausbau der regenerativen Energiequellen (Fotos: Siemens AG)

Gleichzeitig wird ein (Fahr)Plan erstellt, mit dem mittelfristig die Eigenversorgung der Bürgerinnen und Bürger sowie der ortsansässigen Unternehmen möglichst vollständig durch lokal erzeugte regenerative Energie gewährleistet werden kann. Besonders wichtig ist Bürgermeisterin Kristina Becker, „dass die Wertschöpfung der Energieerzeugung in der Region gehalten und der Ausstoß von Treibhausgasen sukzessive reduziert wird“. Angestrebt wird die CO2-Neutralität in den Sektoren Strom und Wärme bis zum Jahr 2030 bzw. 2035. Umfang und Finanzierung wurden bereits im Vorfeld mit dem Bayerischen Wirtschaftsministerium geklärt.

„Endlich nimmt das lange geplante Projekt zur Sektorkopplung Fahrt auf“, sagte Bürgermeisterin Becker beim offiziellen Start des Projekts im Rahmen des Energienutzungsplans (ENP) „Wasserstoffzukunft Treuchtlingen“ Mitte September in den Räumen der Stadt.

Sektorkopplung als Ziel
Sektorkopplung als Ziel Das grundsätzliche Ziel der Sektorenkopplung ist die Verknüpfung der Stromversorgung, der Wärmeversorgung und des Mobilitätsektors. Da alle Bereiche bislang noch weitestgehend unabhängig voneinander betrieben werden, sollen im Rahmen der Untersuchung konkrete Maßnahmen erarbeitet werden, wie Strom im Wärmesektor, beispielsweise mit Wärmepumpen, Pufferspeicherung oder Power-to-X-Technologien, oder im Mobilitätssektor im Bereich E-Mobilität eingesetzt werden kann. „Dabei ist es wichtig, unser zukünftiges Energiesystem ganzheitlich, über alle Sektoren, zu denken“, so Thomas Haupt, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Campus Feuchtwangen. Da die Energieerzeugung aus den Erneuerbaren weniger gleichmäßig erfolgt als aus konventionellen Energieträgern, spielen Speichertechnologien künftig eine besonders große Rolle – sowohl kurzfristig in Batteriespeichern als auch längerfristig in Form von beispielsweise Wasserstoff.

„Diese Option wird ein wesentlicher Bestandteil der Studie sein – auch in Anbetracht der besonderen Netzsituation der Stadtwerke Treuchtlingen“, bekräftigte Siemens-Projektleiter Matthias Hammerl. „Die Entscheidung für eine CO2-freie Energieversorgung sowie deren Einsatz in allen relevanten Sektoren ist nicht nur technisch machbar, sondern wirtschaftlich sinnvoll und zukunftsweisend“, sagte Hammerl weiter. „Das hilft der Kommune resilienter zu werden und der Bürgerschaft sowie der Wirtschaft eine auf Dauer kostenstabile Versorgung sicherzustellen.“ Ein weiter Aspekt ist hierbei die Dimensionierung von Windenergie- und Photovoltaikanlagen sowie von Batteriespeichern. „Die Auslegung der unterschiedlichen Systeme benötigt eine individuelle Betrachtung von Erzeugung und Verbrauch“, sagte Dr. Gerd Hofmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Campus Feuchtwangen.

Mit dem ENP sollen konkrete Umsetzungsprojekte identifiziert werden, um die Integration der erneuerbaren Energieanlagen sowohl in das städtische als auch in das übergeordnete Stromnetz sicherzustellen. Weiter soll auch die effektive Nutzung vorhandener Energiepotentiale, beispielsweise die Nutzung von Ab- oder Prozesswärme, untersucht werden.

Die Untersuchung wird von Experten der Siemens AG in Bereichen dezentrale Energieversorgung, Wasserstoff und Dekarbonisierung und Fachleuten der Hochschule Ansbach, Standort Feuchtwangen, in enger Zusammenarbeit durchgeführt. Die beiden Planungspartner haben aus vorherigen Projekten, wie zum Beispiel dem Energiekonzept der Stadtwerke Feuchtwangen, bereits einschlägige Erfahrungen gesammelt. Unterstützt wird das Planerteam durch die Stadtwerke Treuchtlingen sowie den Klimaschutzmanager der Stadt Treuchtlingen. „Wir freuen uns auf dieses Projekt mit unseren renommierten Partnern und versprechen uns konkrete Lösungsansätze auf unserem Weg in eine CO2-neutrale Zukunft, insbesondere wie wir hierbei unser künftiges Strom- und Wärmenetz an die anstehenden Herausforderungen anpassen“, meint Max Filser, Vorstand der Stadtwerke Treuchtlingen. Ebenfalls in den Prozess eingebunden sind die Stadtratsfraktionen. Um die Öffentlichkeit über den Fortgang der Planung zu unterrichten und Ideen aus der Bürgerschaft aufzugreifen, sind mindestens zwei Informationsabende geplant.

Um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten, ist vor allem die Datengrundlage entscheidend. Diesbezüglich kann sowohl auf die Daten der Stadtwerke (Energiebilanz Strom, Wärme, Gas), als auch auf Datenerhebungen im Rahmen des städtischen Klimaschutzmanagements mit Unterstützung durch die Energieagentur Nordbayern zurückgegriffen werden. Aber auch die lokalen Akteure können und sollen sich aktiv einbringen.

„Im Unterschied zum landkreisweiten digitalen Energienutzungsplan (ENP) können wegen des deutlich kleineren Planungsgebietes die im Anschluss umzusetzenden Maßnahmen deutlich detaillierter erarbeitet werden“, sagte die Bürgermeisterin. Durch die Mitarbeit der verschiedensten lokalen Akteure, wie den Bürgerenergiegenossenschaften im Bereich Nahwärme, der Neue Energien Treuchtlingen (NET) GmbH, von Energieerzeugern und Betrieben werden bereits praxistaugliche Maßnahmen vorgeschlagen und in die Planung integriert.  Weil nur das Stadtgebiet Treuchtlingens betrachtet wird, erfordert die Erstellung des ENP deutlich weniger Zeit. „Die Fertigstellung ist für April oder Mai 2024 geplant“, so Becker. Zwischen den Klimaschutzmanagern der Stadt Treuchtlingen und des Landkreises findet eine laufende Abstimmung statt.