Siegen treibt Wärmewende voran
Kommunale Wärmeplanung im Fokus: Siegener Versorgungsbetriebe in enger Zusammenarbeit mit dem Gas- und Wärme-Institut Essen e.V.

Thomas Mehrer, Geschäftsführer der Siegener Versorgungsbetriebe GmbH in einer Gasübergabestation. Bild: Siegener Versorgungsbetriebe
Bereits im April fiel bei den Siegener Versorgungsbetrieben (SVB) der Startschuss für die Erstellung der kommunalen Wärmeplanung. Diese bildet die Grundlage für die Steuerung der Wärmewende für die Stadt Siegen. „Für den ersten Projektschritt haben wir bewusst entschieden, den weiteren Verlauf des Gesetzgebungsverfahrens auf Bundesebene und die sich daran anschließende Beschlusslage auf Landesebene nicht weiter abzuwarten. Der im Raum stehende Zeitplan ist eng genug. Alle Beteiligten – Politik, Industrie, Bürger und wir als Stadtwerk – brauchen belastbare Rahmenbedingungen für die zu treffenden Investitionsentscheidungen zum Umbau der Energieversorgung in der Region“, sagt Thomas Mehrer, Geschäftsführer der SVB.
Aktuell befindet sich der Referentenentwurf zum Gesetz über die kommunale Wärmeleitplanung in der Kabinettsabstimmung in Berlin. Zuletzt wurde ein Inkrafttreten der Regelungen bis zum Ende des dritten Quartals 2023 angekündigt. Sowohl die inhaltlichen als auch die methodischen Vorgaben werden im Nachgang allerdings von den Bundesländern festgelegt. Daher ist derzeit weiter offen, wie die genauen Eckpunkte der kommunalen Wärmeplanung für das bevölkerungsreichste Bundesland aussehen.
Aus dem derzeitigen Gesetzentwurf ist bekannt, dass Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern die kommunale Wärmeleitplanung bis Ende 2026 erstellt haben sollen. Als Frist für die Erreichung eines 50-Prozent-Anteils an erneuerbaren Energien in der Nahwärme steht der 31. Dezember 2030 im Raum. „Ich kann nur dringend daran appellieren, dass sich alle am Gesetzgebungsverfahren beteiligten Stellen an einer realistischen Zielsetzung orientieren. Hierfür brauchen wir insbesondere auch einen stabilen und verlässlichen Förderrahmen. Sofern dieser gegeben ist, sehe ich für uns als regionalen Versorger unternehmerische Chancen in der Wärmewende“, ist sich Thomas Mehrer sicher. Der Kreis Siegen-Wittgenstein gehört zu den drei wirtschaftsstärksten Regionen in Nordrhein-Westfalen. Mit Blick auf den Wirtschaftsstandort steht für den Geschäftsführer der SVB beim zukünftigen Aufbau von neuen Nah- und Fernwärmenetzen die Einbindung der industriellen Abwärme im Fokus. „Ich sehe es als Vorteil, dass wir viele Industriebetriebe in der Region haben, bei deren Produktionsprozessen sehr viel Abwärme entsteht. Gleichzeitig stehen wir vor der Herausforderung, die Wärmewende so zu gestalten, dass wir die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie erhalten. Vor diesem Hintergrund muss für den Geschäftsführer der SVB die Region zwingend an das nationale H2-Backbone-Netz angeschlossen werden.
Für die erste Phase der Wärmeleitplanung hat die SVB das Gas- und Wärme-Institut Essen e.V. (GWI) beauftragt, das schon lange und vielfältig auf dem Gebiet der Quartiersanalyse sowie der Erstellung von integrierten Energieversorgungskonzepten arbeitet. „Die Kommunale Wärmeplanung ist für das Gelingen der Wärmewende von existentieller Bedeutung. Sie ist für Städte und Gemeinden das zentrale Koordinierungsinstrument zur langfristigen Gewährleistung der Wärmeversorgung und damit ein zentraler Baustein der Energiewende vor Ort. Wir begrüßen es daher sehr, dass die SVB hier eine Vorreiterrolle einnimmt und diese wichtige Aufgabe frühzeitig adressiert“ erklärt Dr. Rolf Albus, geschäftsführender Vorstand des GWI. Er führt weiter aus: „Erste Ergebnisse sollen bis Ende des Jahres vorliegen. Der weitere Projektablauf ist modular geplant, um auf den später feststehenden gesetzlichen Rahmen flexibel reagieren zu können.“