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13.05.2022 | Abfallwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Wasser und Abwasser

Klimaneutralität der Entsorgungswirtschaft

Neue EdDE-Studie zur Klimaneutralität der Entsorgungswirtschaft und Positionspapier des EdDE-Vorstands „Warum wird der Beitrag der Entsorgungswirtschaft nicht wahrgenommen?“

Der durch übermäßigen Ausstoß von Treibhausgasen (THG) verursachte, menschengemachte Klimawandel ist in vollem Gange. Die Auswirkungen des Klimawandels sind nicht zu übersehen und haben heute bereits teilweise dramatische Dimensionen erreicht. Überfällig ist die Umsetzung geeigneter Maßnahmen zur kurzfristigen Reduktion des Treibhausgasausstoßes aus jedem Bereich der Wirtschaft und der Gesellschaft.

Die EdDE hat ein Projektteam der TU Darmstadt unter der Leitung von Prof. Dr. Liselotte Schebek mit der Untersuchung der „Klimaneutralität der Entsorgungswirtschaft“ in einer Vorstudie beauftragt. Gemäß den Ergebnissen der Vorstudie ist die international übliche, sektorale Berichterstattung nach dem Common Reporting Format (CRF) für die deutsche Entsorgungswirtschaft nicht sachgerecht, da im CRF-Sektor 5 „Abfall und Abwasser“ nur THG-Emissionen eines Teils der Entsorgungswirtschaft, im Wesentlichen von Deponien und von biologischen Abfallbehandlungsverfahren, berücksichtigt werden. Die erheblichen Beiträge der Branche zur Kreislaufwirtschaft, mit einem nennenswerten THG-Einsparpotential, werden allerdings nicht der Branche, sondern anderen CRF-Sektoren, wie „Transport“, „Energie“ bzw. „Industrieprozesse und Produktverwendung“ zugerechnet.

Vor allem aber durch die Abfallbehandlung und Bereitstellung wichtiger Rohstoffe für die Industrie (Metalle, Glas, PPK, Kunststoffe aus Behandlungsanlagen, Gipse, Säuren und Schlacken) und Landwirtschaft (Komposte), sowie durch die Erzeugung von Energien (bspw. Strom, Prozessdampf, Fernwärme aus MHKW), trägt die Branche erheblich zur THG-Minderung bei und sollte daher auch die entsprechenden „Gutschriften“ zugerechnet bekommen.

Ohne Berücksichtigung der (THG)-Minderungen durch vermiedene Emissionen bei der Substitution von Primärrohstoffen sowie anderen THG-mindernden Effekten der Kreislaufwirtschaft kann der CRF-Bereich „Abfall und Abwasser“ bis 2045 aufgrund von verbleibenden Restemissionen nach den Ergebnissen auch anderer Studien nicht klimaneutral (=THG-neutral) werden.

Die Vorstudie beleuchtet im Detail Grundlagen und Rahmenbedingungen für die Verortung der Entsorgungswirtschaft in der Klimapolitik. Sie stellt darüber hinaus Möglichkeiten zur weiteren Optimierung der technischen, logistischen und organisatorischen Prozesse der Abfallwirtschaft zur THG-Minderung vor und zeigt weiteren Forschungsbedarf auf.

Der EdDE-Vorstand möchte die handelnden Akteure aus Politik, Verbänden und Gesellschaft mit dem Positionspapier „Klimaneutralität der Gesellschaft – Warum wird der Beitrag der Entsorgungswirtschaft nicht wahrgenommen?“ zu den Ergebnissen der Vorstudie auf die aus Sicht der Abfallwirtschaft unbefriedigende Situation der Klimaberichterstattung sensibilisieren.

Das EdDE-Positionspapier zeigt auf, dass die Entsorgungswirtschaft bereits hohe Beiträge zur Treibhausgasminderung geleistet hat und als wesentlicher Bestandteil einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft weiterhin erheblichen Anteil an der Treibhausgasminderung hat. Wesentliche Schlüssel zur zukünftigen THG-minderung, bspw. durch die Anschaffung/ Verwendung emissionsfreier/-armer Nutzfahrzeuge und energiesparender technischer Anlagen, wie auch in der krisenfesten Bereitstellung von Recycling-Rohstoffen und Energie liegen in der Hand der Entsorgungswirtschaft. Die wesentliche Wertschöpfung für Recycling-Rohstoffe und Ersatzbrennstoffe findet in der Abfallwirtschaft und nicht in anderen Branchen statt. Da aber die CRF-Klimaberichterstattung die Recycling-Rohstoffverwertung und –Energieverwertung in anderen CRF-Sektoren verrechnet, werden Fehlsteuerungen bei zukünftigen Investitionen befürchtet.

Das EdDE-Positionspapier weist auf die zur THG-Minderung notwendige Abfallvermeidung und Wiederverwendbarkeit langlebig und reparaturfreundlich designter Produkte hin. Ausgediente Produkte müssen möglichst weitgehend stofflich recyclebar sein, damit sie wieder zu qualitativ den Bedürfnissen der Industrie entsprechenden Recyclingrohstoffen verarbeitet werden können. Die Rohstoffe und Energien der Entsorgungswirtschaft sind autark, preisstabil und somit krisenfest. Nur die Abfälle, die aufgrund von Beschaffenheit, Anhaftungen u.ä. nicht direkt einem Recyclingprozess zugeführt werden können, werden in thermischen Abfallverwertungsanlagen zu klimaneutraler Energie und weiteren Recycling-Rohstoffen umgewandelt. Die tragende Rolle thermischer Abfallbehandlungsanlagen als Eckpfeiler der Entsorgungssicherheit wird auch in ihrer Rolle als Schadstoffsenke, zur Volumenreduktion und zur Hygienisierung deutlich. Die bei der Abfallverbrennung unvermeidbaren CO2-Emissionen, sollten aufgrund der Systemrelevanz der thermischen Behandlungsanlagen nicht mit einer CO2-Bepreisung durch das BEHG belastet werden. Eine Bewertung von Maßnahmen und Technologien sowie wirtschaftliche Unterstützung zur vollständigen Abscheidung (CCU / CCS) von CO2 erscheinen deutlich zielführender zu sein. Außerdem kann das abgeschiedene CO2 in einer dekarbonisierten Welt zukünftig als wichtiges industrielles Vorprodukt angesehen werden. Der EdDE-Vorstand hält einen engeren Schulterschluss der Akteure der Branche mit Unternehmen der produzierenden Industrie zur weiteren Optimierung der Kreislaufwirtschaft für sinnvoll, um die Kreislaufwirtschaft schon ab der Produktentwicklung mit einem bereits auf Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Wiederverwendbarkeit und stoffliches Recycling angelegten Ökodesign ausbauen zu können.

Der EdDE-Vorstand ruft dazu auf, gemeinsam die Potenziale der Abfallwirtschaft zu nutzen und weiterhin das sinnvoll Machbare umzusetzen.