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08.09.2021 | Gebäudemanagement, Messen, Stadtplanung

Bringt die Digitalisierung den Bademeister 4.0?

Schwimmbadexperte David Ackermann im Interview / Die Zukunft der Branche, ein wichtiges Thema auf den interbad Innovation Days

David Ackermann, Meister für Bäderbetriebe und Schwimmbadexperte | Bildnachweis: David Ackermann

In der Bäderbranche haben wir im Zeichen der Automatisation und Digitalisierung noch viel Luft nach oben, sagt David Ackermann. Im Interview spricht der Meister für Bäderbetriebe über notwendige Modernisierungsmaßnahmen und die Zukunft der Branche.

Herr Ackermann, Sie sind Meister für Bäderbetriebe und waren bereits als Betriebsleiter in der Bäderbranche tätig. Sie betreiben außerdem den YouTube-Chanel „Schwimmbad.TV“ – mit welchem Ziel?

Ich möchte die Schwimmbadbranche modernisieren. Ich möchte aufklären und Content für Kolleginnen und Kollegen zu aktuellen Themen bieten. Es ist Leidenschaft, es ist Hobby und es macht unheimlich Spaß.

Stirbt der Beruf der Fachangestellten für Bäderbetriebe aus und woran liegt das? 

In unserer Branche haben wir im Zeichen der Automatisation und Digitalisierung noch viel Luft nach oben. Es gibt viele Themen, die wir schon in der Ausbildung erlernen müssten, um unser Berufsbild zukunftsfähig zu machen, wie zum Beispiel Sensorik oder pädagogische und verwaltungsrechtliche Grundlagen. Demnach bin ich gar nicht der Meinung, dass das Berufsbild aussterben wird. Es war mehr ein Ruf danach, jetzt endlich einen nächsten Schritt zu gehen, um das Ganze zu modernisieren, um den Beruf zukunftsfähig zu machen.

Wie müsste denn die/der BademeisterIn 2.0 aussehen?

Bei der Entwicklung sind wir bereits viel weiter als Sie vielleicht denken. Die Digitalisierung bringt wahrscheinlich bereits die/den BademeisterIn 4.0 mit unterstützender KI, die beispielsweise durch Kameraüberwachung verschiedene schwierige Situationen im Bad erkennen kann. Gerade im Bereich Technik braucht es hierfür mehr Grundkenntnisse für solche Systeme und Sensorik. So könnten Fachangestellte viele Dinge auch selbst machen, um Kosten zu sparen. Schwimmbäder, die ja enorm zuschussbedürftig sind, könnten so besser unterhalten und betrieben werden. Ein weiterer Punkt ist ganz klar das Thema Gesundheit. Man sieht den Trend gerade im privaten Bädersektor, der meines Erachtens in der Zukunft enorm anwachsen wird und auch muss. Volkskrankheiten nehmen zu und schwimmen oder alleine schon das sich-im-Wasser-aufhalten tragen unheimlich dazu bei, seinen Körper fit und gesund zu halten. Daher denke ich, dass wir noch mehr im Bereich der Pädagogik wie beispielsweise für Kinderschwimmkurse oder den Trainings- und Animationsbereich investieren müssen – da können wir noch viel rausholen und es wird eine große Nachfrage geben.

Gibt es noch andere Dinge, die getan werden könnten, um anschlussfähig zu bleiben?

Insbesondere beim Beispiel von KI bei der der Einlasskontrolle oder bei technischen Dingen wie der Wasseraufbereitung, da wird in der Zukunft viel automatisiert ablaufen. Die Digitalisierung wird alle Tätigkeiten, die repetitiv sind, ersetzen. Dann stellt sich natürlich die Frage, was bleibt am Ende noch übrig? Klar, kann eine intelligente Kamera erkennen, wenn jemand ertrinkt, aber retten muss dann doch ein Mensch. Der Badegast braucht auch weiterhin immer einen Ansprechpartner. Deswegen liebe ich diesen Beruf so.

Bleiben wir beim Blick in die Zukunft. Vor dem Hintergrund von Klimawandel und Umweltschutz sind Schwimmbäder da wirklich noch zeitgemäß?

Natürlich ist der Energieaufwand, den ein Schwimmbad, ob Hallen- oder Wellnessbad, benötigt, enorm, aber es gibt viele interessante Ansätze: beispielsweise Solarenergie oder Geothermie, bei denen durchaus alternative Energiequellen genutzt werden und mittlerweile sogar schon im Einsatz sind.

Welche innovativen Konzepte werden die Branche neben KI und solchen technologischen Innovationen noch prägen? 

Denken wir beispielsweise an Kryptowährungen. Wenn man es schaffen würde, intrinsische Werte wie Zufriedenheit, wie Gesunderhaltung, wie glücklich sein, messbar zu machen, dann könnte in Verbindung mit Krankenkassen ein komplett neues System entwickelt werden. So könnte dann der Einlass und die Preisgestaltung in Schwimmbädern so reguliert werden, dass am Ende nicht der Gast bezahlt, sondern es mit Krankenkassen durch diese neue Wertschöpfung andere Systeme geben wird – und muss.

Sie werden auf den interbad Innovation Days einen Vortrag im Themenbereich „Die Bäder im Wandel – das Personalmanagement im Fokus“ halten. Was können die Teilnehmenden erwarten? 

Ich habe mich gerade im Zusammenhang mit der Digitalisierung für eine Keynote entschieden, in der ich zwei Geschichten erzähle. Die eine Geschichte ist eine wahre Begebenheit, die ich während der Sommersaison in einem riesigen Freibad selbst erlebt habe. Und dann habe ich mir in der zweiten Geschichte das Pendant in der Zukunft dazu erdacht. So wie ich es mir vorstelle. Durch den Vergleich möchte ich einfach aufzeigen, wie es möglich ist, unsere Betriebsblindheit oder Gewohnheiten über Bord zu werfen und der Zukunft offen entgegenzutreten.

Welchen Stellenwert haben denn die interbad Innovation Days in diesem Jahr für die Branche? 

Grundsätzlich einen unheimlich wichtigen Stellenwert: Sie sind ein Treffpunkt, nicht nur von Firmen, sondern auch von Fachkräften untereinander. Es gibt unheimlich viele Neuerungen und Dinge, die in den letzten zwei Jahren durch die Pandemie gar nicht vertreten werden konnten. Der Austausch mit FirmenvertreterInnen und der Austausch unter Fachkräften, unter BetriebsleiterInnen, unter den vielen Menschen aus der Branche ist enorm wichtig. Und für mich persönlich natürlich auch. Was gibt es Neues in der Branche? Wohin geht die Entwicklung? Was macht die Pumpentechnik der Zukunft aus? In allererster Linie bedeutet das Netzwerken, Neuerungen anschauen und sich mit den Kollegeninnen und Kollegen austauschen – ein unheimlich wichtiger Aspekt.

Über die Interbad Innovation Days

Neue Wege geht in diesem Jahr die interbad, die führende Messe für Schwimmbad, Sauna und Spa: „interbad Innovation Days – Congress/Show/Networking“ heißt das Event, das am 22. und 23. September 2021 die Bäder-, Sauna- und Wellnessbranche wieder live zusammenbringt. Mit der Kombination aus Kongress, Ausstellung und Networking bietet das komprimierte Format BesucherInnen fachlichen Austausch, Netzwerk-Foren sowie Einblicke in neueste Trends und technische Innovationen.