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30.12.2021 | Klima- und Umweltschutz, Verkehrsmanagement

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Sicherer Austausch von Mobilitätsdaten über Mobility Data Space

Sensible Mobilitätsdaten und verkehrliche Echtzeitdaten sicher austauschen und dabei europäische Datenschutzrichtlinien anwenden – das ist das erklärte Ziel des Mobility Data Space (MDS). Der so genannte sichere Datenraum soll existierende Datenplattformen miteinander vernetzen und so Verkehrsbetrieben und Betreibern von Mobilitätsplattformen Informationen bereitstellen, um intelligente und klimaschonende Reiseketten erstellen zu können.

Nicht zuletzt aufgrund des derzeitigen Mangels an IT-Experten könnte die Entwicklung eines eigenen Zugangs-Konnektors gerade für kleinere mittelständische Unternehmen eine Hürde darstellen. Daher gibt es verschiedene Herangehensweisen, die die Teilnahme am MDS erleichtern – eine ist die Implementierung teilautomatisierter Softwaregeneratoren.

Um das Klima zu entlasten und den CO2-Ausstoß im Straßenverkehr zu reduzieren, sind intelligente Verkehrs- und Mobilitätssysteme vonnöten. Diese benötigen Daten, um Entscheidungen zu unterstützen oder sogar automatisiert zu treffen. Doch die Erhebung sowie der Austausch von Mobilitätsdaten funktionieren bei weitem noch nicht optimal. Zwar kommunizieren auf kommunaler Ebene bereits einige Anbieter untereinander, aber von einer flächendeckenden, nationalen Vernetzung war man bis jetzt noch weit entfernt. Das hat technische, wirtschaftliche, aber auch rechtliche Gründe. Viele Verkehrsunternehmen scheuen davor zurück, Daten herauszugeben, die dann in einer Plattform eventuell nicht ausreichend geschützt sind.

„Die Mobilität von morgen sicher und vertrauensvoll mitgestalten“

Eine wichtige Initiative, um diesen Umstand zu ändern und einen vertrauensvollen Datenaustausch zu ermöglichen ist der Mobility Data Space (MDS), ein Projekt unter der Führung der Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und gefördert vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). „Der MDS ist die Data Sharing Community für alle Akteure, die die Mobilität von morgen sicher und vertrauensvoll mitgestalten wollen“, erklärt Kai Horn, Vertriebsleiter bei highQ Computerlösungen und Experte für Mobilitätslösungen. „Er soll den Wettbewerb um innovative, umwelt- und nutzerfreundliche Mobilitätskonzepte anreizen, indem er allen Nutzern gleichberechtigt und transparent Zugang zu Daten verschafft und ihnen vielfältige Möglichkeiten eröffnet, an den Wertschöpfungspotenzialen ihrer Daten teilzuhaben,” so Horn, der seit Jahren Verkehrsbetriebe beim Aufbau von Mobilitätsplattformen begleitet.

acatech-Präsident Karl-Heinz Streibich dazu: „Relevante Daten und deren Verwendung erschließen eine Schlüsselressource unserer Zeit. Das gilt insbesondere für die Mobilität. Der souveräne Austausch von relevanten Daten ist für unsere Gesellschaft von zentraler Bedeutung. Genau dafür wurde der Mobility Data Space entwickelt. Er ermöglicht allen, die die Mobilität der Zukunft mitgestalten wollen, den gleichberechtigten, transparenten und selbstbestimmten Austausch einer breiten Palette an Mobilitätsdaten: von der aktuellen Wettersituation über Informationen zu Baustellen bis hin zur Luftqualität. Diese Angebotsbreite unterscheidet den Mobility Data Space von vielen anderen Angeboten im Markt, die in der Regel nur Teilbereiche des Mobilitätssektors abdecken.“

Und so funktioniert der sichere Datenaustausch: Basis ist die dezentrale Systemarchitektur der International Data Spaces Association e. V. Hier ist der MDS als Ökosystem angegliedert, in dem der Datengeber festlegen und vor allem auch kontrollieren kann, unter welchen Bedingungen seine Daten durch andere Akteure genutzt werden. Die Nutzer gewinnen so nicht nur Vertrauen über die Herkunft und Datensouveränität. Durch die Verknüpfung von öffentlichen und privatwirtschaftlichen Daten können Mobilitätsplattformen zudem eine völlig neue Reichweite erlangen, da auf regionale und nationale Datenbanken zugegriffen wird. Ein wichtiger Datenlieferant für das MDS ist zum Beispiel der Mobilitäts-Daten-Marktplatz (MDM) des BMVI. Dafür liefern Behörden, Ministerien und Gemeinden deutsche Straßenverkehrsdaten für die Plattform. Verkehrsteilnehmer werden besser informiert und die Sicherheit und Effizienz auf der Straße werden gesteigert. Bisher wurden diese Daten nur auf kommunaler Ebene durch entsprechende Plattformen genutzt, standen jedoch nur selten im nationalen Kontext zur Verfügung.

Zugang zum sicheren Datenraum über technische Konnektoren

Damit der MDM sowie andere Anbieter von Verkehrsdaten oder Reiseinformationen Teil des Mobility Data Space werden können, brauchen sie einen Zugang zum sicheren Datenraum. Den ermöglicht ein technischer Konnektor, den der Datengeber oder -nehmer für sich betreibt oder auch betreiben lässt. „Trotz Standardisierung der IT-Architektur des MDS bleibt die Hürde für kleine und mittelständische Unternehmen, sich in die Thematik einzuarbeiten, oftmals zu hoch. Damit gehen Potenziale für neue Services und Möglichkeiten der Wertschöpfung verloren. Das wollen wir ändern”, so Horn. Damit Konnektoren nicht manuell programmiert werden müssen, hat highQ zwei solcher Software-Interfaces für den Zugang zum MDS entwickelt. Damit sollen auch kleinere und mittelständische Betriebe einen einfachen Zugriff zum Datenpool erhalten, seine Bedingungen für den Zugriff auf die eigenen Daten hinterlegen und sichere Transaktionen durchführen.

Verknüpfung überregionaler Informationen für die günstigste Mobilitätsoption

Die highQ-Konnektoren sind zum Beispiel bei dem Pilotprojekt Bauhaus Mobility Lab Erfurt im Einsatz, einem Zukunftsprojekt für Mobilität, Logistik und Energie. Die dort angesiedelte Mobilitätsplattform ermöglicht nachhaltige, multimodale Transportmöglichkeiten für Personen und Güter, indem sie regional verfügbare Mobilitätsangebote und weitere Daten wie Infrastrukturauslastung und Umweltdaten zusammenführt und über eine App allen Nutzern zugänglich macht. Dieser Service wird möglich, weil über die Konnektoren Wetterdaten aus dem MDS abgefragt werden und exemplarisch Fahrplandaten im GTFS-Format (General Transit Feed Specification) an den MDS zurückgeliefert werden. Durch eine Verknüpfung der Informationen aus dem MDS und den Verkehrsangeboten bekommen die Nutzer die aktuell günstigsten Mobilitätsoptionen angeboten. Je nachhaltiger die Fortbewegungsart, desto mehr Bonuspunkte sammeln sie.

Der MDS erlaubt einen sicheren Datenaustausch, um optimale Reiseketten anzubieten und dabei alle möglichen Faktoren mit einzubeziehen. Dazu gehören nicht nur Routeninformationen, Tarife, verfügbare Verkehrsmittel und Wetterdaten, sondern auch Mobilitäts-, Bewegungs- und Nachfragedaten sowie individuelle Reisegeschwindigkeiten. „Der MDS ermöglicht dem Datengeber, sensible Daten für externe Geschäftsprozesse zur Verfügung zu stellen, er muss aber keine zweckentfremdete Verwendung befürchten. Außerdem werden keine Bewegungsprofile von Einzelpersonen erfasst, sondern nur die Schwarmdaten sind relevant”, zerstreut Horn mögliche Bedenken von Verkehrsbetrieben. „Es geht darum zu wissen, wie viele Menschen sich in einem Verkehrsraum bewegen und wie wir das durch entsprechende Mobilitätslösungen positiv beeinflussen können”, resümiert er.

Fazit

Über den Mobility Data Space ist ein vertrauensvoller Datenaustausch möglich, der Datengebern, Nutzern, Entwicklern und Endanwendern Datensouveränität und Sicherheit gewährleistet. Der einheitliche Zugriff auf öffentliche und privatwirtschaftliche Daten ermöglicht es, existierende Datenplattformen miteinander zu vernetzen und so flächendeckende Mobilitätsdaten auf nationaler Ebene bereitzustellen. Damit für mittelständische Unternehmen keine Zugangshemmnisse entstehen, können sie teilautomatisierte Software Generatoren nutzen, anstatt den Konnektor selbst programmieren zu müssen.

Weitere Informationen: siehe Link