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27.05.2020 | Klima- und Umweltschutz, Stadtplanung

Stadtgrün ist systemrelevant

Die Corona-Pandemie zeigt, wie wichtig Grünflächen, Parks und Kleingärten für die Menschen in der Stadt sind. Das bestätigen die jüngst veröffentlichten Google-Bewegungsdaten: In Bremen hat die Aufenthaltsdauer in Parks und Grünanlagen im April danach im Vergleich um 76 % zugenommen.

Logo Bündnis lebenswerte Stadt - grünes Bremen

Die gestiegene Wertschätzung von Stadtnatur und Grün in der Corona-Krise belegt auch eine aktuelle Forsa-Umfrage der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). „Grün ist systemrelevant für eine Stadt. Grün- und Freiräume leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge und helfen auch, die Akzeptanz der Corona-Beschränkungen zu verbessern“, sagt Professorin Sabine Baumgart, assoziiertes Mitglied am Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen. Es gelte heute mehr denn je, die gesundheitsschützenden Funktionen von Stadtgrün, aber auch einer guten Nah- und Gesundheitsversorgung zu sichern und weiter zu entwickeln, so Frau Prof. Baumgart, die auch Präsidentin der ARL-Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft ist.

Doch das Stadtgrün in Bremen ist im Bestand bedroht. „Aktuell sind über 80 % der Bäume in Bremen geschädigt oder geschwächt. Bremer Parks und Grünanlagen leiden unter einem dramatischen Sanierungsstau und können ihre Funktionen nur noch eingeschränkt erfüllen“, so Ulf Jacob, Sprecher des Bündnisses lebenswerte Stadt. Der Klimawandel und der verstärkte Nutzungsdruck u.a. auch in Folge der Corona-Krise verschärfen das Problem. Der Abbau der Defizite und die Sicherung der grünen Infrastruktur erfordern daher große Anstrengungen, die das Land und die Stadt Bremen bislang vernachlässigt haben. Das Bündnis lebenswerte Stadt – grünes Bremen hält Investitionen in das Bremer Grün in Höhe von mindestens 35 Mio. Euro für notwendig und schlägt konkrete Sofortmaßnahmen vor, die aus den geplanten Konjunkturprogrammen finanziert werden sollten. „Seit vielen Jahren ist das öffentliche Grün in Bremen unterfinanziert. Im Rahmen der Konjunkturpakete des Landes und des Bundes gilt es jetzt, gegenzusteuern und den Sanierungsstau abzubauen,“ fordert Martin Rode, Geschäftsführer BUND Bremen.

Das Bündnis macht sieben konkrete Vorschläge zur Berücksichtigung von städtischem Grün in Bremen und Bremerhaven bei den bevorstehenden Konjunkturprogrammen des Bundes und des Landes zur Überwindung der Corona-Krise und ihrer mittel- bis langfristigen Folgen:

1. Investitionen in Infrastruktur (Rad- und Fußwege, Brücken und Gebäude)
2. Investitionen in Bäume
3. Investitionen in das Grün der Anlagen und Parks
4. Investitionen in Konzepte, Planungen, Steuerung und Koordinierung
5. Investitionen in Ausrüstung
6. Aus- und Weiterbildung
7. Investitionsfonds für nichtöffentliche Parks und Grünanlagen

Das ausführliche Positionspapier „Stadtgrün ist systemrelevant - Grüne Infrastruktur (Grünanlagen, Parks und Kleingärten) in Konjunkturprogrammen berücksichtigen“ finden Sie unter dem Link unten.