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02.10.2019 | Klima- und Umweltschutz

Podiumsdiskussion Energie- und Klimawende

Gemeinsam für die Energiewende – unter diesem Motto lud das Deutsche Energieberater-Netzwerk (DEN) e.V. erneut am 28.09.2019, dieses Mal in Buseck, Mitglieder, Politiker und Interessierte ein. Moderator Klaus Pradella führte durch die Veranstaltung.

Hessisches Landestreffen des DEN e.V. am 28.09.2019 in Buseck. Von links: Bürgermeister von Buseck Dirk Haas, DEN-Vorstand Hermann Dannecker, Staatssekretär Jens Deutschendorf, Landrätin des Kreises Gießen Anita Schneider und DEN-Landessprecher für Hessen Holger Lorenz (Foto: © DEN e.V.)

Zwei Wochen nach seinem Beschluss standen das Paket der Bundesregierung und die hessische Klimaschutzpolitik im Mittelpunkt des Landestreffens, zu dem der hessische Landesvorsitzende des Energieberater-Netzwerkes Holger Lorenz eingeladen hatte. Hauptthema war die Hessische Klimaschutzpolitik und das vom Bundeskabinett beschlossene Klimapaket. Das Klimapaket reicht nach Ansicht der Energieberater nicht aus. Sollten keine weiteren Maßnahmen zur Senkung des Ausstoßes der Treibhausgase erfolgen, werde Deutschland an den ausgegebenen Klimazielen krachend scheitern, sagte Hermann J. Dannecker, der Vorsitzende des Deutschen Energieberater-Netzwerkes. Bei vielen Punkten des Paketes seien deutliche Nachbesserungen erforderlich. 

In einer Podiumsdiskussion forderten auch Staatssekretär Jens Deutschendorf aus dem Hessischen Wirtschaftsministerium, die Gießener Landrätin Anita Schneider und der Busecker Bürgermeister Dirk Haas weitere Schritte.

Die drei Politiker zeigten auf, welche Maßnahmen in den letzten Jahren bereits in ihren Zuständigkeitsbereichen eingeleitet wurden. Staatssekretär Jens Deutschendorf verwies auf den großen Erfolg des Schülertickets Hessen und die bevorstehende Einführung des Seniorentickets Hessen. Die Gießener Landrätin Anita Schneider berichtete vom Aufbau von Ladesäulen für Elektro-Autos, die Bemühungen zur Wiederbelebung der Horlofftal- und der Lumdatalbahn sowie den Einbau energie- und klimaschonender Heizungen in den Schulgebäuden des Landkreises. Auch in der Gemeinde Buseck gibt es bereits mehrere Ladestationen für Elektromobile. Bürgermeister Haas nannte sie als ein wichtiges Beispiel für den umweltfreundlichen Umbau der Kommune.  

Besonders kritisierten die Politiker den zum Einstieg festgelegten Preis von 10 Euro für den Ausstoß von einer Tonne CO₂. Der Betrag sei viel zu gering. Gerade jetzt zum Start des Maßnahmenpaketes sei es wichtig, erste Zeichen zu setzen, sagte DEN-Vorstand Hermann Dannecker. „Wenn man die Bevölkerung erst in ein paar Jahren beansprucht, dann werden das viel empfindlichere Einschnitte auf einen Schlag“, befürchtet er. Professor Axel Bretzke, Energieberater und Mitglied im DEN, betonte, dass eine jährliche Prüfung der Klimaschutzziele unabkömmlich sei. 

Kritisch bewertet wurde auch die Festlegung, dass ab 2026 keine neuen Ölheizungen mehr eingebaut werden dürfen. „Wie sollen die Menschen dann in Orten heizen, die keinerlei Infrastruktur wie Gas- oder Fernleitungen haben“, fragte die Gießener Landrätin Schneider. Eine Lösung für solche Probleme könnten Energie-Inseln sein, schlugen mehrere hessische Energieberater vor. In Hessen und Rheinland-Pfalz gebe es bereits gute Beispiele. Dort hätten Anwohner etwa mit gemeinsam errichteten Blockheizkraftwerken eine autarke Wärmeversorgung aufgebaut.  

Landrätin Anita Schneider möchte unter anderem die Teilsanierung mittels Heizungsmodernisierung gestärkt sehen. Frau Dr. Ursula Otterbein, ebenfalls DEN-Mitglied, verdeutlichte stattdessen, dass es empfehlenswerter sei, zuerst die Gebäudehülle zu dämmen. Den geringen restlichen Wärmebedarf könne man mit einer neuen Heizung auf Basis erneuerbarer Energieträger decken. 

Neben diesen Punkten gab es in vielen Punkten Einigkeit: Die Landrätin möchte beispielsweise neue Gewerbekonzepte um die Ressource Grünfläche zu schonen, was bei den DEN-Mitgliedern sehr positiv aufgenommen wurde. Außerdem fordert sie den Ausbau des ÖPNV zwischen Stadt- und Land.

Alle waren sich einig, dass sich Deutschland für den Nachwuchs von Handwerkern einsetzen muss, damit die Klimawende überhaupt machbar sei. Vorstand Hermann Dannecker forderte mehr Mut von der Politik und Einsicht von der Bevölkerung, dass Energieeffizienz für die Zukunft der Menschheit sehr wichtig sei. 

Das DEN setzt sich für den Austausch von Politik und Energieberatern ein um genau solche Themen gemeinsam zu diskutieren. Möglich sind solche Veranstaltungen nur unter Einsatz von Ehrenamt und freundlicher Unterstützung der Gemeinden und Städte. Das DEN dankt deshalb insbesondere Bürgermeister Dirk Haas für seine Unterstützung zu dieser Veranstaltung.

Der nächste Austausch wird am 18.10.2019 in Neuwied zum rheinland-pfälzischen Landestreffen sein: siehe 1. Link