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30.08.2019 | Klima- und Umweltschutz, Stadtplanung

Klimaschutz in Kommunen: Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien

Der vom Menschen verursachte Klimawandel ist ein globales Problem, und ein Schlüssel zur Lösung liegt in den Händen der Kommunen. So ungefähr stellte sich gestern (29.8.) die Situation auf dem Regionalforum „Kommunaler Klimaschutz: Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien“ in Köln dar.

„Die Notwendigkeiten von Klimaschutz und Energieeffizienz vertragen keine langen Prozesse der Entscheidungsfindung mehr. Kommunen besitzen nach unserer Erfahrung gerade im Bereich des Klimaschutzes hohe Problemlösungskompetenzen und die notwendige Beweglichkeit, um Projekte auch kurzfristig umsetzen zu können. Das macht die Kommunen so wichtig, wenn es um die Bewältigung der aktuellen Probleme geht“, erklärte Lothar Schneider, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW, die das Regionalforum „Kommunaler Klimaschutz“ in Kooperation mit dem Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) sowie mit der Bezirksregierung Köln durchführte.

„Wir müssen die Region fit machen für die anstehenden Herausforderungen des Klimaschutzes. Die Bezirksregierung Köln wird auch bei dieser Aufgabe ein verlässlicher Ansprechpartner für die Kommunen unserer Region sein“, erklärte Gisela Walsken, Regierungspräsidentin des Regierungsbezirks Köln.

Die Zukunft der Energieversorgung ist zunehmend dezentral

Experten sind sich längst einig: Die Zukunft der Energieversorgung auf der Basis erneuerbarer Energien ist in den Städten zunehmend dezentral. Urbane Lösungen bedeuten deshalb den Einsatz von Blockheizkraftwerken, Photovoltaikanlagen an Gebäuden, Geothermie zur Wärmeerzeugung oder Nutzung der Abwärme aus industriellen Prozessen und Verteilung über Nah- und Fernwärmenetze. Auf dem Regionalforum in Köln drehte sich daher alles um das Energiesystem für die Stadt der Zukunft und die Potenziale der erneuerbaren Energien im Regierungsbezirk Köln, insbesondere im Bereich der Solarstromnutzung und erneuerbaren Wärme.
In verschiedenen Fachvorträgen wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Köln auf den aktuellen Stand von Forschung und technischer Entwicklung gebracht, es wurden Möglichkeiten von innovativem Projektmanagement in der Verwaltung skizziert und wichtige Hilfsmittel und Förderungen vorgestellt, wie beispielsweise das Solarkataster NRW.

Wärmekataster für Nordrhein-Westfalen

Im Wärmebereich untersuchte das LANUV kürzlich die Potenziale der Energieformen Biomasse, Solarthermie, Grubenwasser und Geothermie – weitere Studien zur Industriellen Abwärme oder den Potenzialen der Kraft-Wärme-Kopplung sind in der Bearbeitung. Das flächendeckende Wärmekataster für Nordrhein-Westfalen stellt dagegen Informationen zu erneuerbaren und energieeffizienten Wärmequellen sowie zu vorhandenen Wärmesenken in NRW zur Verfügung. Es bietet einen Überblick über mögliche Alternativen für die Wärmeversorgung von Objekten und Quartieren oder auch für die Einbindung erneuerbarer und effizienter Quellen in bestehende Wärmenetze. Außerdem dient es zum Monitoring des Ausbaustandes der erneuerbaren Energien im Bereich Wärme für NRW.

Solarkataster und Energieatlas NRW

Die aktuellste Veröffentlichung des LANUV im Bereich der Strom- und Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien ist das Solarkataster NRW (siehe 1. Link). Für jedes der rund elf Millionen analysierten Gebäudedächer bietet es die Möglichkeit, individuell die Potenziale und Erträge der Solarenergie zu betrachten. Hausbesitzer, Besitzer von Gewerbeimmobilien, Wohnungsbaugesellschaften, Kommunen und Energieversorger können sich unabhängig, kostenlos, einfach und schnell über die Möglichkeiten der Solarenergienutzung auf ihren Dächern informieren.

Das Solarkataster ist wie das Wärmekataster Bestandteil des Energieatlas NRW (siehe 2. Link), der umfangreiche Informationen zu erneuerbaren Energien in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung stellt. Neben dem aktuellen Bestand werden auch Potenziale zum weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien dargestellt.
„Mit dem Energieatlas bietet das LANUV den Kommunen eine optimale Orientierung bei der Umsetzung der Energiewende vor Ort. Die Datengrundlagen aus dem Energieatlas helfen, kommunale Klimaschutzprojekte zu initiieren aber auch, den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien auf kommunaler Ebene zu dokumentieren“, erklärte Dr. Barbara Köllner vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen.

Unentgeltliche fachliche Erstberatung der EnergieAgentur.NRW

Darüber hinaus gilt es, die Potenziale im Bereich der Gebäudesanierung auf Quartiersebene zu heben. „Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Städte und Gemeinden dabei, den Klimaschutz auf kommunaler Ebene voranzutreiben. So können die Kommunen beispielsweise eine Initialberatung der EnergieAgentur.NRW zur Steigerung der Energieeffizienz in Anspruch nehmen; das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW gibt mit dem Energieatlas und dem Solarkataster zum Einsatz regenerativer Energien Orientierung bei der Umsetzung kommunaler Klimaschutzprojekte; und die PlattformKlima.NRW berät insbesondere bei der Beantragung von Fördermitteln aus der Nationalen Klimaschutzinitiative. Dazu kommen auch ganz konkrete Förderungen, so unterstützt das Land Nordrhein-Westfalen Kommunen beispielsweise bei der Anschaffung von E-Fahrzeugen und dem Ausbau der dazugehörigen Ladeinfrastruktur. Mit diesen und weiteren Angeboten, die im Auftrag des Landes durchgeführt werden, möchten wir den Kommunen ergänzende Möglichkeiten bieten, sich für eine klimafreundliche Welt fit zu machen“, so Dr. Achim Dahlen, Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Niedertemperatur-Fernwärme: Schlüsseltechnologie zur effizienten Integration erneuerbarer Energien

Rund ein Drittel des deutschen CO2-Ausstoßes entfallen auf Gebäude. Zeitgleich liegt die Sanierungsquote bei unter einem Prozent. „Niedertemperatur-Fernwärme ist eine Schlüsseltechnologie zur effizienten Integration erneuerbarer Energien und Abwärme in unsere Energiesysteme“, sagte Dr.-Ing. Anna Marie Kallert vom Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE. Derzeit wollen unter der Projektleitung des Geologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen, der dem Wirtschaftsministerium unterstellt ist, 18 Partner aus sechs Nationen unter anderem erkunden, ob die Tiefengeothermie nach Abschluss der Braunkohleverstromung am Kraftwerkstandort Weisweiler einen Beitrag zur Einspeisung in das bestehende Fernwärmenetz leisten kann.

Das Regionalforum in Köln ist Teil einer Reihe von Regionalforen zum Thema „kommunaler Klimaschutz 2019 in NRW“, die von der EnergieAgentur.NRW veranstaltet werden. Das nächste Regionalforum findet am 13. September in Arnsberg statt (3. Link).