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11.12.2018 | Stadtplanung, Transport, Versorgungsnetze

Ergebnis des HanseCom Forums 2018: ÖPNV setzt auf individualisierten Kundenzugang

Die Teilnehmer des HanseCom Forums 2018 waren sich einig: Der ÖPNV muss seine Kunden mit individuellen und innovativen Angeboten ansprechen, um sich als moderner Mobilitätsdienstleister am Markt zu behaupten. Hochkarätige Experten zeigten auf, wie das gelingen kann.

Auf dem fünften HanseCom Forum diskutierten Entscheider aus ÖPNV, Wirtschaft und Politik über aktuelle Herausforderungen der Mobilitätsbranche.

In einer Podiumsdiskussion diskutierten wichtige Branchenvertreter auf dem HanseCom Forum das Thema Kundenzugang. (Fotos: HanseCom)

Für den 22. und 23. November hatte HanseCom zum fünften HanseCom Forum über den Dächern Hamburgs eingeladen – und rund 150 Entscheider aus der Mobilitätsbranche kamen. Im 23. Stock des Emporio Tower diskutierten hochkarätige Experten von Verkehrsunternehmen und -verbünden sowie aus Wirtschaft und Politik aktuelle Herausforderungen im ÖPNV. Namhafte Branchenexperten gaben Einblick in ihre Projekte, teilten ihre Erfahrungen und berichteten über den Einsatz neuer Technologien.

Dabei drehte sich alles um die große Frage, wie sich der ÖPNV in Zeiten der Digitalisierung zukunftsfähig aufstellen kann. Neue Mobilitätsanbieter drängen mit maßgeschneiderten Angeboten auf den Markt und machen dem ÖPNV die Kunden streitig. Wie der ÖPNV die Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt, wird darüber entscheiden, ob er nur noch die Rolle des Zulieferers und Anbieters von Infrastruktur einnimmt oder Mobilität auch zukünftig mitgestaltet. Folgende Ansätze und Lösungen dafür wurden auf dem HanseCom Forum 2018 präsentiert:

1. Abos aufs Smartphone
Bieten Verkehrsunternehmen auch Abonnements in Form mobiler Tickets an, können sie damit vor allem junge Menschen adäquat ansprechen. Die Azubis, Schüler und Studenten der „Generation Z“ organisieren praktisch ihr ganzes Leben mit dem Smartphone und kennen ein Kundencenter nur noch „vom Hörensagen“.

2. Multi-App-Strategie
Verschiedene Altersstufen, Einheimische, Touristen, Kunden mit Bedarf an Barrierefreiheit: Um seine verschiedenen Kunden beim mobilen Ticketing optimal abzuholen, sollte der ÖPNV auf mehrere Apps setzen, die jeweils gezielt auf die unterschiedlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind.

3. Öffnung nach außen
Große Chancen für mehr Kundenfreundlichkeit bieten dem ÖPNV auch digitale Vertriebskooperationen mit den Unternehmen, die an einer kompletten Reisekette beteiligt sind. Reisende haben dann etwa die Möglichkeit, direkt bei der Buchung eines Flugs auch das Ticket für den öffentlichen Nahverkehr am Zielort zu buchen.

4. Zusammenarbeit mit neuen Anbietern
Die neuen Mobilitätsdienstleister sind nicht nur Konkurrenten; sie können auch Partner im Rahmen multimodaler Verkehrsangebote sein. Ein On-Demand-Ridesharing etwa kann das Mobilitätsangebot des ÖPNV dort ergänzen, wo es sinnvoll, und dort ersetzen, wo der Linienverkehr unwirtschaftlich ist.

5. Zentrale Mobilitätsplattform
Die unverzichtbare technologische Grundlage für ein zukunftsfähiges, individualisiertes Angebot ist eine zentrale Mobilitätsplattform, die sämtliche Kundendaten integriert. In einer Befragung, die HanseCom auf seiner Veranstaltung durchführte, schätzten 90 Prozent der Teilnehmer eine solche Plattform als wichtig oder sehr wichtig ein.

„Das HanseCom Forum 2018 war ein voller Erfolg – sowohl was die Teilnehmerzahlen als auch die Inhalte angeht“, bilanziert Martin Timmann, Geschäftsführer von HanseCom. „Es lieferte dem ÖPNV wertvolle strategische Denkanstöße und zeigte ihm technische Lösungen auf, um seine Zukunftsfähigkeit weiter zu verbessern.“