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28.11.2009 | Allgemeine Meldungen

Trotz leichtem Aufschwung sind viele Automobilzulieferer stark insolvenzgefährdet.

Laut einer aktuellen Untersuchung des Wirtschaftsinformationsdienstes D&B ist der Anteil der vom Konkurs bedrohten Zulieferer in den letzten Quartalen um rund 70 Prozent gestiegen. Paradoxerweise könnte ein starker Aufschwung die Liquiditätsfalle brisant verstärken.

"Liquiditätsfreisetzung in der Krise erfolgte durch Abbau der Lagerbestände und Begrenzung der Investitionen. Fahren die Automobilhersteller die Produktion wieder hoch, müssen sie Lager erneut füllen sowie Kapital für Rohstoffe bereitstellen. Aufgrund der Vorfinanzierung in der Branche droht somit eigenkapitalschwachen Zulieferern ohne ausreichende Kreditlinien die Zahlungsunfähigkeit", erläutert Michael Seifert, Automotive-Experte bei D&B Deutschland.

Insgesamt wurden 5440 Unternehmen für die Analyse "Risikoentwicklung in der deutschen Automobilzulieferindustrie" betrachtet. Das Ergebnis: Zum Herbst 2009 befinden sich immer mehr Zulieferer-Firmen in der D&B-Risikoklasse 4, der Einstufung mit dem höchsten Insolvenzrisiko. Allein in den letzten 18 Monaten stieg die Zahl der Zulieferer in der höchsten Risikoklasse von 644 auf 1093. Das bedeutet: Der Anteil existenzbedrohter Unternehmen erhöhte sich im Untersuchungszeitraum von 11,83 auf 20,09 Prozent.

"Die Zahlen belegen einen vergleichsweise dramatischen Anstieg um nahezu 70 Prozent: War vor einem Jahr noch knapp jeder achte Zulieferer von der Insolvenz bedroht, ist es heute bereits jeder fünfte", warnt Michael Seifert. Vor allem die Gefahr, vom Phänomen der "Insolvenz im Aufschwung" erfasst zu werden, sollte nicht unterschätzt werden.

Tendenz: Überspringen mehrerer Risikoklassen
Dabei zeigt das Gesamtbild des von D&B beobachteten Portfolios der Automobilzulieferindustrie über die letzten eineinhalb Jahre eine klare Tendenz: Bei den finanziell risikoärmsten Unternehmen (Risikoklasse 1) gibt es kaum Veränderungen. Auch die Anzahl der mit einem geringen oder nur leicht erhöhten Ausfallrisiko bewerteten Unternehmen (Risikoklasse 2 und 3) nimmt stetig ab. Folglich erfährt nur der Bereich der höchsten Ausfall-Risikoklasse steten Zuwachs.
Besorgniserregend hierbei ist, dass immer öfter gleich mehrere Risikoklassen übersprungen werden. Denn die Herabstufung erfolgt nicht zwangsläufig nur von 3 auf 4. So finden sich plötzlich auch Firmen mit einer zuvor sehr guten oder guten Klassifizierung unter den konkursgefährdeten Betrieben.
Einziger Lichtblick:
Die Zahl der Verschiebungen in die Risikoklasse 4 hat sich mit der Zeit reduziert: Frühjahr 2008 bis Herbst 2008: 330 Unternehmen Herbst 2008 bis Frühjahr 2009: 201 Unternehmen Frühjahr 2009 bis Herbst 2009: 142 Unternehmen.

Sammeln am Abgrund: Wer überlebt die Gratwanderung?"
Zurzeit findet ein "Sammeln am Abgrund" statt", beschreibt Michael Seifert die Situation bildlich.
"Die Gruppe mit dem Rating 3 und 4 wächst unverdrossen, wobei sich die Quote der Insolvenzen bisher noch nicht sonderlich erhöht hat. Es bleibt abzuwarten, ob mit dem prognostizierten Aufschwung ein Impuls kommt, der viele in den Abgrund stürzt oder einer, der dank moderatem Wachstum doch noch die Wende einläutet und gefährdete Unternehmen auf sicheres Terrain zurückführt. Betrachtet man allerdings die Daten und vergleicht diese mit unseren Erfahrungen, werden viele die Krise nicht überstehen - zumindest nicht als selbstständige Einheit."

Zahlungsmoral sinkt stetig
Ein Faktor für Veränderungen im Risikorating ist die Zahlungsmoral. Ein Wert von 80 bedeutet, dass Zahlungen pünktlich erfolgen. Schon der Wert 70 bedeutet 15 Tage Zahlungsverzug. Hatte sich das Zahlungsverhalten der Automobilzulieferer noch im zweiten Halbjahr 2008 - nach langer Talfahrt - geringfügig verbessert, so setzte bereits zum Jahreswechsel eine Trendwende ein und das Zahlungsverhalten erreichte im März 2009 mit 75,8 den schlechtesten Wert seit Beginn der Untersuchungsreihe vor zweieinhalb Jahren. In den Folgemonaten bewegte sich die Zahlungsmoral um diesen niedrigen Wert, ohne nennenswerte Veränderungen.

Über D&B Deutschland
D&B Deutschland (früher Dun & Bradstreet) ist ein Unternehmen der Bisnode Gruppe und gehört zum weltweiten D&B Netzwerk,dem Weltmarktführer für Wirtschaftsinformationen und Firmenbewertungen. Unternehmen aus allen Branchen nutzen die Daten und Lösungen von D&B Deutschland zur Bonitätsprüfung, bei der Kundengewinnung und im strategischen Einkauf. Basis dafür ist die D&B Datenbank mit Informationen über 4,5 Millionen deutsche und mehr als 150 Millionen Unternehmen weltweit. In die Bonitätsbewertung der Firmen fließt auch deren Zahlungsverhalten ein. Dazu wertet D&B alleine in Deutschland jährlich mehr als 600 Millionen Rechnungsinformationen aus.Die Zuordnung aller Informationen zu den Unternehmen ist durch die von D&B eingeführte D-U-N-S® Nummer eindeutig. Die D-U-N-S® Nummer wird unter anderem vom Verband der Automobilindustrie (VDA), vom Verband der Chemischen Industrie (VCI), von der Europäischen Kommission und von der ISO als Standard empfohlen und eingesetzt.

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