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07.05.2020 | Allgemeine Meldungen, Stadtplanung

Jugendarbeit bietet Geflüchteten stabilen Anker

Die Kinder- und Jugendarbeit von Kommunen, Kirchen und Verbänden kann von zentraler Bedeutung für junge Menschen mit einer Fluchtgeschichte beim Übergang in ein eigenständiges Leben sein. Ungefähr ein Drittel der Besucher(innen) von Jugendtreffs und anderen Angeboten in Städten sind Geflüchtete im Alter zwischen 15 und 27 Jahren, die unbegleitet oder mit ihrer Familie nach Deutschland kamen.

Beim Klettern verbinden sich für Jugendliche Freizeitspaß und Teamverantwortung. (Copyright: Sharon Bruck/YouthNet)

Dies ist eine besondere Herausforderung für die Fachkräfte. Für sie entwickelte die Servicestelle junge Geflüchtete des Instituts für Sozialpädagogische Forschung Mainz gGmbH mit Förderung der Stiftung Ravensburger Verlag eine Arbeitshilfe für die Praxis. Die Publikation schlägt eine Brücke zwischen Forschung und Praxis und gibt Hinweise für eine flucht- und migrationssensible Jugendarbeit in Städten und Gemeinden.  Download der Arbeitshilfe für die Praxis: siehe Link
 
Wie kann Integration gelingen? Quantitativ stellen junge Menschen mit Fluchtgeschichte eine bedeutende Gruppe unter den Schutzsuchenden dar: 75 Prozent der 1,5 Millionen Asylanträge, die zwischen 2015 und 2018 gestellt wurden, kamen von Geflüchteten unter 30 Jahren. Nahezu 60 Prozent von ihnen sind psychisch stark belastet. Mehr als 67.000 unbegleitete Kinder und Jugendliche waren Anfang 2016 in stationärer Jugendhilfe untergebracht, diese Zahl ist rückläufig, aktuell befinden sich mehr als 26.000 unbegleitete Geflüchtete noch unter jugendrechtlicher Zuständigkeit. Nach dieser ersten Phase dient das Angebot der kommunalen, kirchlichen und verbandlichen Jugendarbeit den 15- bis 27jährigen neben Schule, Ausbildungsstätte und Elternhaus als wichtiger Unterstützungsanker für eine gelungene Integration.  

Neue Werte, Regeln, Lebensmodelle

Geflüchtete Jugendliche müssen sich in einem ihnen fremden Land mit seinen Werten, sozialen und politischen Regeln zurechtfinden, zugleich die Umstände ihrer Flucht und den Verlust ihrer früheren Lebenswelt mit vertrauten Menschen bewältigen. Genau wie die Altersgenossen sind sie aber auch auf Identitätssuche. Auf diesem Weg zu einem selbstbestimmten Leben bietet die Offene Jugendarbeit ein Lernfeld, um verschiedene Positionen und Lebensmodelle kennen zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und Demokratie zu erleben. „Letztendlich erhalten diese oft traumatisierten jungen Menschen hier eine Chance, sich einer Gruppe und einem Land zugehörig zu fühlen“, erklärt Stiftungsvorstand Johannes Hauenstein. „Sie befinden sich in einem Zwischenzustand – nicht mehr im Herkunftsland integriert, noch nicht in der Aufnahmegesellschaft angekommen.“ 

Titel: 
Anika Metzdorf / Rebecca Schmolke (Hrsg):  Wir geht nur gemeinsam. Junge Geflüchtete in den Angeboten der Jugendarbeit – eine Arbeitshilfe für die Praxis.  Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz gGmbH (ism) 2020. Mit Förderung der Stiftung Ravensburger Verlag. 58 Seiten.  ISBN 978-3-946455-04-2