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10.12.2020 | Polizei und Rettungsdienste

Nationales Konzept für besonders große oder schwierige Vegetationsbrände erstellt

Deutscher Feuerwehrverband und Deutscher Städte- und Gemeindebund veröffentlichen Empfehlung

Foto: © by Mario Hagen - stock.adobe.com

Extreme Hitze, lange Dürre und massenhafter Schädlingsbefall: Die deutschen Wälder sind durch die Folgen des Klimawandels immer anfälliger für Waldbrände geworden. Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) und der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) haben daher ein „Nationales Konzept für besonders große oder schwierige Vegetationsbrände“ erstellt, das Verbesserungspotenziale für vorhandene Strukturen aufzeigt.

„In vielen Wäldern fehlt die notwendige Infrastruktur für drohende Großbrände“: Befahrbare Wege, Wasserentnahmestellen, Systeme zur Branderkennung können und müssen deutlich verbessert werden“, erklärt Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des DStGB. Hinzu kämen Behinderungen der Löscharbeiten durch Munitionsverdachtsflächen sowie teils hoher Anforderungsaufwand für die effektive Unterstützung durch Hubschrauber. „Die Feuerwehren verfügen aktuell nur in sehr geringem Umfang über spezielle Fahrzeuge und Geräte für die Vegetationsbrandbekämpfung“, erklärt DFV-Vizepräsident Karl-Heinz Knorr. Die persönliche Schutzausrüstung der Einsatzkräfte sei zumeist auf die Gebäudebrandbekämpfung ausgelegt; dies stelle bei Vegetationsbränden jedoch eine unzumutbare körperliche Belastung dar. Auch die taktischen Besonderheiten seien noch kein ausdrücklicher Bestandteil der Ausbildung. „Daher ist das bestehende System auf mögliche Verbesserungen zu überprüfen“, fordern Landsberg und Knorr.

Das nationale Konzept nennt Verbesserungspotenzial in folgenden Bereichen:

  • Prävention (Sensibilisierung von Bevölkerung und Waldbesitzern, Ausbau der Rettungspunkte Forst, Einrichtung und Ausbau von Früherkennungssystemen, Kartenmaterial und Geo-Informationssysteme, Informationsaustausch, Vorbeugender Waldbrandschutz, waldbauliche Maßnahmen, Überprüfung von Munitionsverdachtsflächen, Harmonisierung des Kampfmittelbeseitigungsrechts, Abstimmung der Maßnahmen)
  • Organisation/Taktik (stärkere Verantwortungsübernahme bei Bund und Ländern, Unterstützung kommunaler Behörden bei Einsatzplanung, klare Anforderungs- und Kostenübernahmeregelungen, zentrale Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten, bundesweit einheitliche Ausbildung in Vegetationsbrandbekämpfung, Führungslehrgänge für Langzeitlagen, regelmäßige gemeinsame Übungen)
  • Technik/Ausstattung (Beschaffung geeigneter Schutzkleidung, Entwicklung eines einfachen Atemschutzes, [Ersatz-]Beschaffung geeigneter Fahrzeuge, Sicherstellung ausreichender Anzahl von Hubschraubern mit Außenlastbehältern, Entwicklung und Beschaffung von Spezialfahrzeugen durch den Bund, Optimierung der Löschwasserförderungstechnik, Etablierung überörtlich einsetzbarer Einheiten, Stationierung von Task-Forces bei Feuerwehren, Optimierung der Einsatztechnik bei kampfmittelbelasteten Flächen)

„Ursächlich für die Probleme und Defizite bei den Feuerwehren ist neben den teils dezentralen Strukturen des Feuerwehrwesens vor allem der Umstand, dass besonders große oder schwierige Vegetationsbrände nicht zum regelmäßigen Erfahrungsschatz der (meisten) Feuerwehren zählen“, sind sich Dr. Gerd Landsberg und Karl-Heinz Knorr einig.

Die Ausarbeitung des nationalen Konzepts erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden des Arbeitskreises Waldbrandbekämpfung des Deutschen Feuerwehrverbandes, Dr. Ulrich Cimolino.