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17.06.2019 | Klima- und Umweltschutz, Stadtplanung

Umsetzung der Energiewende in Städten und Quartieren vorantreiben

Der vom Menschen verursachte Klimawandel ist ein globales Problem, und ein Schlüssel zur Lösung liegt in den Händen der Kommunen. So ungefähr stellte sich heute (17. Juni) die Situation auf dem Regionalforum „Kommunaler Klimaschutz: Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien“ in der Bezirksregierung Düsseldorf dar.

Die Veranstaltungsreihe Regionalforum kommunaler Klimaschutz startete am 17.6. in Düsseldorf. (Foto: Pixabay)

„Die Notwendigkeiten von Klimaschutz und Energieeffizienz vertragen keine langen Prozesse der Entscheidungsfindung mehr. Kommunen besitzen nach unserer Erfahrung gerade im Bereich des Klimaschutzes hohe Problemlösungskompetenzen und die notwendige Beweglichkeit, um Projekte auch kurzfristig umsetzen zu können. Das macht die Kommunen so wichtig, wenn es um die Bewältigung der aktuellen Probleme geht“, erklärte Lothar Schneider, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW, die das Regionalforum „Kommunaler Klimaschutz“ in Kooperation mit dem Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen sowie dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) durchführte.
 
„Die Diskussion um das Klima bietet den Kommunen auch die große Chance, neu über Nachhaltigkeit und Innovation nachzudenken. Wenn es darüber hinaus gelingt, die lokale Wirtschaft und die Forschungseinrichtungen bei der Einführung digitaler Umwelt-Technologien ins Boot zu holen, um Neues zu entwickeln und Ressourcen zu schonen, werden auch Standorte gestärkt. Alle Verantwortlichen in den Regionen sollten diese Chancen erkennen und - gegebenenfalls auch gegen Widerstände -  ergreifen“, erklärte Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher.
 
In Düsseldorf ging es unter anderem um das Energiesystem für die Stadt der Zukunft sowie die Solarstromnutzung und erneuerbare Wärme. Dabei sind sich die Experten längst einig: Die Zukunft der Energieversorgung auf der Basis erneuerbarer Energien ist in den Städten zunehmend dezentral. Urbane Lösungen bedeuten deshalb der Einsatz von Blockheizkraftwerken, Photovoltaikanlagen an Gebäuden, Geothermie zur Wärmeerzeugung oder Nutzung der Abwärme aus industriellen Prozessen und Verteilung über Nah- und Fernwärmenetze.
 
Im Wärmebereich hat das LANUV die Potenziale der Energieformen Biomasse, Solarthermie, Grubenwasser und Geothermie untersucht – weitere Studien zur Industriellen Abwärme oder den Potenzialen der Kraft-Wärme-Kopplung sind in der Bearbeitung. Das flächendeckende Wärmekataster für Nordrhein-Westfalen stellt Informationen zu erneuerbaren und energieeffizienten Wärmequellen sowie zu vorhandenen Wärmesenken in NRW zur Verfügung. Es gibt einen Überblick über mögliche Alternativen für die Wärmeversorgung von Objekten und Quartieren oder auch für die Einbindung erneuerbarer und effizienter Quellen in bestehende Wärmenetze. Außerdem dient es zum Monitoring des Ausbaustandes der erneuerbaren Energien im Bereich Wärme für NRW.
 
Die neueste Veröffentlichung des LANUV im Bereich der Strom- und Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien ist das Solarkataster NRW. Für jedes der rund elf Millionen analysierten Gebäudedächer bietet es die Möglichkeit, individuell die Potenziale und Erträge der Solarenergie zu betrachten. Online (siehe 1. Link) können sich Hausbesitzer, Besitzer von Gewebeimmobilien, Wohnungsbaugesellschaften, Kommunen und Energieversorger unabhängig, kostenlos, einfach und schnell über die Möglichkeiten der Solarenergienutzung auf ihren Dächern informieren. „Strom- und Wärmeerzeugung durch Solarenergieanlagen kann ohne maßgeblichen Flächenverbrauch in den Siedlungsraum integriert werden. So kann Strom oder Wärme verbrauchsnah erzeugt werden. Diesen Vorteil sollte man in Zukunft stärker nutzen, zumal wir unter Ausnutzung der vorhandenen Potenziale rund die Hälfte unseres Stromverbrauchs mit Solarstrom decken könnten“, so LANUV-Präsident Dr. Thomas Delschen. Nordrhein-Westfalen sei hier aufgrund seiner hohen Siedlungsdichte prädestiniert dafür, die Stromerzeugung und den Verbrauch bei erneuerbaren Energien räumlich enger zusammenbringen. Auf diese Weise ließen sich zum Beispiel die Übertragungsnetze entlasten, so Delschen weiter.
 
Darüber hinaus gelte es, die Potenziale im Bereich der Gebäudesanierung auf Quartiersebene zu heben. „Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Städte und Gemeinden dabei, den Klimaschutz auf kommunaler Ebene voranzutreiben. So können die Kommunen beispielsweise eine unentgeltliche fachliche Erstberatung der EnergieAgentur.NRW zur Steigerung der Energieeffizienz in Anspruch nehmen; das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW gibt mit dem Energieatlas und dem Solarkataster zum Einsatz regenerativer Energien Orientierung bei der Umsetzung kommunaler Klimaschutzprojekte; und die PlattformKlima.NRW berät insbesondere bei der Beantragung von Fördermitteln aus der Nationalen Klimaschutzinitiative. Dazu kommen auch ganz konkrete Förderungen, so unterstützt das Land Nordrhein-Westfalen Kommunen beispielsweise bei der Anschaffung von E-Fahrzeugen und dem Ausbau der dazugehörigen Ladeinfrastruktur. Mit diesen und weiteren Angeboten, die im Auftrag des Landes durchgeführt werden, möchten wir den Kommunen ergänzende Möglichkeiten bieten, sich für eine klimafreundliche Welt fit zu machen“, so Michael Theben, Abteilungsleiter im Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie.
 
Rund ein Drittel des deutschen CO2-Ausstoßes entfallen auf Gebäude. Zeitgleich liegt die Sanierungsquote bei unter einem Prozent. „Niedertemperatur-Fernwärme ist eine Schlüsseltechnologie zur effizienten Integration erneuerbarer Energien und Abwärme in unsere Energiesysteme“, sagte Dr.-Ing. Anna Marie Kallert vom Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE. Derzeit wollen unter der Projektleitung des Geologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen, der dem Wirtschaftsministerium unterstellt ist, 18 Partner aus sechs Nationen unter anderem erkunden, ob die Tiefengeothermie nach Abschluss der Braunkohleverstromung am Kraftwerkstandort Weisweiler einen Beitrag zur Einspeisung in das bestehende Fernwärmenetz leisten kann.
 
Das Regionalforum in Düsseldorf war Auftakt zu einer Reihe von Regionalforen. Die nächsten Regionalforen „kommunaler Klimaschutz 2019“ richtet die EnergieAgentur.NRW am 29. August in Köln und am 13. September in Arnsberg aus.
 
Weitere Infos im Internet unter: 2. Link