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13.06.2019 | Gebäudesanierung, Klima- und Umweltschutz

Mobile Abwärme

Die energetische Sanierung einer Schwimmhalle in Ennigerloh als Beispiel für die technische Umsetzung eines kommunalen Klimaschutz-Projektes

Erfolgreiche Zusammenarbeit: Berthold Lölf, Bürgermeister der Stadt Ennigerloh, Thomas Grundmann, (GF AWG), Schwimmmeisterin Carola Heuckmann, Jörg Hammelmann (GF Hammelmann Service), Markus Pahlenkemper (GF aha). Foto: aha AWG und Hammelmann GbR

Alles wird heute immer mobiler und flexibler, auch die Wärme. Das zeigt ein Projekt für das Olympiabad in Ennigerloh, einer Stadt im Kreis Warendorf im Münsterland. Ein Schwimmbad braucht Wärme, damit es für die Besucher auch angenehm ist, im Wasser zu trainieren, gemütlich zu schwimmen oder zu planschen. Für das Olympiabad in Ennigerloh wurde dafür eine besondere Lösung entwickelt. Es wird seit 2016 anteilig mit Abwärme aus dem Entsorgungszentrum der Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises Warendorf (AWG) beheizt, die bei der Verstromung von Deponie- und Biogas in Blockheizkraftwerken (BHKW) entsteht. Die dort anfallende Wärme wird in Form von Heißwasser (90 °C) in Containern zum Schwimmbad gebracht und dort genutzt. Die transportierte Wärmemenge summiert sich pro geladenem Behälter auf circa 1.500 kWh bis 1.800 kWh. Die Lieferung der Wärme in Containern hat die aha AWG und Hammelmann GbR übernommen. 

Am Hallenbad ist immer ein Container mit heißem Wasser stationiert. Diesem wird Wasser entnommen, wenn das Becken nachgefüllt werden muss. Der Bedarf zum Nachfüllen von Wasser entsteht zum einen aufgrund der Wasserverdunstung. Auch das Tropfwasser, das die Schwimmer beim Verlassen des Beckens mit herausnehmen, und das beim Spülen der Filter genutzte Wasser reduzieren den Wasserstand im Becken. Früher wurde kaltes Trinkwasser nachgefüllt, das auf Beckentemperatur erhitzt werden musste. Jetzt wird das kalte Frischwasser mit dem heißen Wasser aus dem Container zunächst gemischt und dann in die Becken eingespeist. Außerdem läuft Trinkwasser, das direkt aus dem Netz genommen wird, im Container durch einen Wärmetauscher und landet vorgewärmt im Warmwasserboiler des Hallenbades. Je nach Bedarf sind für das Hallenbad zwei bis drei Container pro Woche im Einsatz. Für das Freibad wiederum, für das auch Verdunstungs- und Spülwasser ersetzt werden muss, können es bis zu fünf Lieferungen pro Woche sein. 

Bei den Containern handelt es sich um isolierte Standardbehälter aus der Lebensmittelindustrie, deshalb sind die Wärmeverluste auf der nur drei Kilometer langen Transportstrecke sehr überschaubar. Sie sind zudem als Warmwasserspeicher ausgeführt, ein aufwendiger zweiter Wärmetauschvorgang beim Verbraucher, dem Olympiabad, kann damit entfallen. Als stationäre Behälter verlieren die Container abhängig vom Temperaturniveau und den Umgebungstemperaturen nur ein bis drei Kelvin pro Tag.  

Mit dem Ansatz, das durch die BHKW erwärmte Wasser direkt im Olympiabad zu nutzen, kann die Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems deutlich erhöht werden. Der Effekt all dieser Maßnahmen: Die Heizungsanlage im Olympiabad wird entlastet, die Lebensdauer verlängert sich dadurch und Erdgas wird eingespart, was sich positiv auf die Umwelt auswirkt. Pro Wärmelieferung in einem Container ergibt sich eine CO2-Einsparung von 339 Kilogramm. Auch was die Kosten angeht, erweist sich das Projekt als vorteilhaft. Für die Wärmelieferung und die Aufstellung des Depotcontainers am Olympiabad ist die aha AWG und Hammelmann GbR zuständig. Kosten für die Stadt Ennigerloh fallen lediglich für die verbrauchte Energie an. Der resultierende Wärmepreis liegt in diesem Fall knapp unter dem Preis für die Wärmeerzeugung mit Erdgas.