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22.11.2018 | Energie, Klima- und Umweltschutz

In Münster gab es sechsmal Gold für NRW-Städte, Kreise und Gemeinden

21 nordrhein-westfälische Städte, Gemeinden und Kreise wurden gestern (21. November) in Münster von der EnergieAgentur.NRW mit dem European Energy Award (eea) ausgezeichnet. Den European Energy Award erhält eine Kommune, wenn sie mindestens 50 Prozent der Maßnahmen umsetzt, die seit Beginn des Prozesses von akkreditierten eea-Beratern begleitet werden.

Gold-Auszeichnungen gibt es in 2018 für die Städte Münster, Bielefeld, Borgholzhausen, Rietberg und Telgte sowie für die Gemeinde Nottuln. Weiterhin ausgezeichnet werden die Städte Herdecke, Lennestadt, Wetter an der Ruhr, Bad Oeynhausen, Schloß Holte-Stukenbrock, Emmerich am Rhein, Neuss, Remscheid, Straelen, Viersen, Sankt Augustin und Hörstel sowie die Gemeinde Kall, der Oberbergische Kreis und der Rhein-Sieg-Kreis.
 
Im Vorfeld der Auszeichnungsveranstaltung sagte Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart: „Die Kommunen sind ein wichtiger Treiber der Energiewende. Dass sich 21 Städte, Gemeinden und Kreise aus Nordrhein-Westfale beteiligt haben, ist ein Beleg für die Verantwortung, die unsere Kommunen beim Klimaschutz übernehmen. Das zeigt sich beispielsweise anhand neuer Konzepte für die Mobilität und der Nutzung von erneuerbaren Energien in den Stadtquartieren.“
 
Der eea ist ein europaweit anerkanntes Zertifikat für kommunale Aktivitäten rund um Klimaschutz und Energieeffizienz. Umso erfreulicher ist es, dass nordrhein-westfälische Kommunen aktiv und erfolgreich sind. 99 NRW-Kommunen (87 Städte und Gemeinden, 12 Kreise) nehmen an einem Energiemanagementverfahren teil, jeder fünfte Bürger Nordrhein-Westfalens lebt in einer zertifizierten Kommune. Deutschlandweit sind es 310 Städte, Gemeinden oder Kreise, die am eea teilnehmen.
 
Die Kommunen werden bewertet für verschiedene Projekte – von der klimaangepassten Stadtplanung des Bielefelder Projekts „Klimaquartier Sennestadt“, bis zur Nahwärmeversorgung von Kirchen und Jugendherbergen im münsterländischen Nottuln.

Lothar Schneider, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW, betonte, dass das systematische kommunale Energiemanagement ein bewährtes Instrument sei, um in Städten und Gemeinden Nachhaltigkeitspotenziale zu heben. „Inzwischen werden wir zum Beispiel durch Extremwetterereignisse fast täglich daran erinnert, dass der Klimaschutz eine andauernde Herausforderung ist“, so Lothar Schneider. Zudem verwies er auf die ökonomischen Vorteile, die Kommunen winken, wenn sie erneuerbare Energien nutzen und Energieeffizienzpotenziale systematisch heben. Schneider: „Klimaschutzbemühungen einer Kommune sind zudem ein weicher Standortfaktor und stärken die Position der Kommune im Wettbewerb um die Ansiedlung von Unternehmen.“ 

Kurzportraits der ausgezeichneten Kommunen:
 
Bad Oeynhausen:
Seit 2013 bezieht die Stadt Bad Oeynhausen ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Zudem wurde ein Klima-Cent eingeführt. Für jede bezogene Kilowattstunde wird ein Cent in lokale Klimaschutzprojekte investiert. Durch Kraft-Wärme-Kopplungs- und Photovoltaik-Anlagen erzeugt die Stadt jährlich rund 1 Million kWh selbst, das entspricht 30 Prozent des Energiebedarfs.
 
Bielefeld (Gold):
Im Rahmen des Projekts „Klimaquartier Sennestadt“ entsteht auf dem ehemaligen Industriegelände die Klimaschutzsiedlung Sennestadt. Zudem wird ein KWK-Bürgernetz umgesetzt. Die Idee zur Neuausrichtung der Energieversorgung im Quartier ist im Rahmen des Landeswettbewerbs KWK-Modellkommune ausgearbeitet worden. Dabei soll eine offene Plattform für den Handel mit lokal erzeugter Wärme und Strom aus effizienter Kraft-Wärme-Kopplung entstehen. Das Bürgernetz soll sich verändernden Bedarfen anpassen und schrittweise erweitert werden.
 
Borgholzhausen (Gold):
Ausgezeichnet wird die Stadt Borgholzhausen unter anderem für die Errichtung eines Nahwärmenetzes zur Versorgung sechs kommunaler Liegenschaften auf der Basis einer Holzhackschnitzelheizung. Zudem wurde der Violenbach im innerstädtischen Bereich zur Sicherstellung des Hochwasserschutzes und ökologischen Aufwertung ausgebaut.
 
Emmerich am Rhein:
Emmerich hat sich unter anderem bei der Stadtplanung etwas einfallen lassen: So wurde ein Stadtteilarchitekt eingestellt, der in gestalterischen und energetischen Aspekten die Baufamilien beraten soll. Zudem wurde ein Hof- und Fassadenprogramm zur Förderung der Entsiegelung von Hofflächen und Begrünung von Hausfassaden im innerstädtischen Bereich eingerichtet.
 
Herdecke:
2013 fand mit dem Beschluss des Stadtrates zum Integrierten Klimaschutzkonzept „Unsere Stadt – unser Klima“ (IKSK) eine strategische Ausrichtung statt. Ziel ist es, bis 2030 die jährlichen CO2-Emissionen gegenüber dem Bezugsjahr 2010 um 30 Prozent abzusenken. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden Klimaschutz-Maßnahmenprogramme für die Jahre 2014 bis 2017 und 2017 bis 2019 vom Rat beschlossen und mit einem geförderten Klimaschutzmanager umgesetzt. So wurde in kommunalen Liegenschaften neue Gebäudeleittechnik zur Optimierung des Gebäudemanagements eingeführt.
 
Hörstel:
Hörstel hat die städtische Stromversorgung auf erneuerbare Energien umgestellt. Zudem werden Blockheizkraftwerke (BHKW) in der Kläranlage und im Hallenbad Riesenbeck  betrieben. Neben der energetischen Sanierung der Straßenbeleuchtung wurde auch die Beleuchtung in Grundschulen optimiert. Zudem nutzt Hörstel inzwischen ein E-Mobil als Dienstfahrzeug.
 
Kall:
Seit 2011 gibt es in der Gemeinde Kall ein ehrenamtlich engagiertes Energieteam, das sich aus interessierten Bürgerinnen und Bürgern zusammensetzt. Seit Jahren ist das Energieteam ein wichtiger Bestandteil für die Entwicklung von Projekten. Die Gemeinde Kall betreibt mittlerweile fünf eigene PV-Anlagen mit insgesamt 183kWp Leistung und hat weitere acht Dachflächen verpachtet, auf denen insgesamt Anlagen mit einer Leistung von 454 KWp installiert sind. Zudem wird die Straßenbeleuchtung sukzessive auf LED-Technik umgestellt. Aktuell sind bereits rund 42 Prozent der gesamten Lichtpunkte im Gemeinde Kall auf LED-Technik umgestellt.
 
Lennestadt:
In Lennestadt liegt ein Fokus auf der Beleuchtung. Inzwischen sind 65 Prozent der Straßenbeleuchtung auf effiziente LED-Technologie umgestellt. Zudem kommt in der Sporthalle des Gymnasiums sowie im Parkhaus Gartenstraße eine energiesparende Beleuchtung zum Einsatz. Weiterhin wurde der Bahnhof Altenhundem zur Mobilitätsstation ausgebaut (inkl. Mobilitätsberatung, (E-) Fahrradverleih). Dieser dient Berufspendlern, Schülern und vielen Touristen als Einstieg in die Wanderrouten des Rothaarsteigs.  Die Stadtverwaltung verfügt über ein E-Fahrzeug sowie ein Plug-in-Hybrid-Fahrzeug (PKW des Bürgermeisters).
 
Münster (Gold):
Münster ist seit 2016 Masterplan-100-Prozent-Klimaschutz-Kommune und hat eine Gesamtstrategie zur Umsetzung des ambitionierten Klimaschutzzieles erarbeitet und 2017 beschlossen. Im Rahmen des Masterplans 100 Prozent Klimaschutz hat die Stadt Münster eine  Suffizienz-Strategie für mehr klimaschonende Entscheidungen im Alltag erarbeitet und startet zurzeit die Umsetzung erster Projekte. Die 2007 gestartete Klimaschutzkampagne „Klima sucht Schutz in Münster! … auch bei Dir! wurde 2009 erweitert mit dem Baustein: Münster packt's! – Der Bürgerpakt für Klimaschutz: Die TeilnehmerInnen unterzeichnen eine Selbstverpflichtung und tragen damit durch kleine Maßnahmen zum Klimaschutz bei. Bislang nehmen knapp 5.000 BürgerInnen teil. In 2018 wurde dies übergeleitet in die neue Bürgerkampagne „Münsters KlimaMischpoke“. Im Sommer 2018 ist Münster mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis  ausgezeichnet worden.
 
Neuss:
Beschaffung und Bildung sind die Stichworte, die zum Neusser Engagement passen: So wurden zahlreiche Fahrräder, Pedelecs und E-Cars für eine nachhaltige Mobilität in der Verwaltung beschafft. Und bei der Volkshochschule werden Seminarreihen zu den Themen Energie, Klimaschutz und Klimaanpassung angeboten. Zudem hat die Stadt Neuss den Preis „Klimaaktive Kommune“ gewonnen. Die Siegesprämie fließt komplett in das „Förderprogramm Dach- und Fassadenbegrünung“
 
Nottuln (Gold):
Nottuln erhält zum dritten Mal den eea in Gold. Seit diesem Jahr werden alle kommunalen Gebäude sowie die komplette Straßenbeleuchtung zu 100 Prozent mit zertifiziertem Ökostrom versorgt. Zudem wird der Anschluss weiterer privater Wärmeabnehmer an das Nahwärmenetz Hummelbach forciert – zuletzt eine Kirche und eine neu errichtete Jugendherberge. Das nahwärmenetz wird aus Blockheizkraftwerken sowie einer Holzhackschnitzelanlage mit Energie versorgt.
 
Oberbergischer Kreis:
Bereits 2016 begann der Oberbergische Kreis mit der Einrichtung eines Energie-Monitorings für die eigenen Liegenschaften. Und seit dem vergangenen Jahr befassen sich ein Radwegemanager sowie ein Mobilitätsmanager mit der nachhaltigen Gestaltung der Mobilität. Unter anderem sollen Anreize zur Beschaffung schadstoffarmer Fahrzeuge geschaffen werden.
 
Remscheid:
Die Stadt Remscheid beteiligt sich am Programm ALTBAUNEU, einer Informationsplattform, die zur energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden motivieren soll. Zudem betreibt die Stadt ein kontinuierliches Energiemanagement inklusive Gebäudeautomation in den kommunalen Liegenschaften sowie Solarthermie- und Photovoltaik-Anlagen auf kommunalen Gebäuden.
 
Rhein-Sieg-Kreis:
Im Rhein-Sieg-Kreis konzentriert man sich unter anderem auf die Mobilität. Neben der Förderung der E-Mobilität in Kooperation mit der Bundesstadt Bonn und dem regionalen Energieversorger passiert das vor allem durch den Einsatz von Wasserstoffbussen im öffentlichen Personennahverkehr. Zudem wird die kontinuierliche Umstellung der Fahrzeugflotte fortgesetzt. Aktuell befinden sich sieben Elektro- und drei Hybrid-Fahrzeuge im Flottenbestand.
 
Rietberg (Gold):
Das Grüne Klassenzimmer als Arbeitsbereich der städtischen Tochter Gartenschaupark Rietberg GmbH bietet Kurse zu Umwelt-, Energie- und Klimathemen für Kitas und Grundschulen an. Das Projekt „Energiesparen macht Schule“ lief von 2015 bis 2017. Daran schloss sich die Kooperation „Klimaschutz bildet!“ mit Schulen und Kitas an, die auf dauerhafte Veränderungsprozesse in den beteiligten Einrichtungen zielt. Laufend finden diverse Projekte zur energetischen Sanierung von kommunalen Gebäuden statt. Zum Beispiel wurde das historische Rathaus in 2017 kernsaniert. Zudem werden die Mitarbeiter der Verwaltung und des Hausmeisterteams regelmäßig über Energiestandards sowie die optimale Nutzung der Gebäudetechnik geschult.
 
Sankt Augustin:
Die Stadt Sankt Augustin verfolgt den sukzessiven Austausch der Straßenbeleuchtung durch LED-Technologie. Zudem werden die städtischen Liegenschaften fit gemacht durch die Optimierung oder den Austausch von Heizungsanlagen, systematische Dämmung, Beleuchtungssanierungen sowie die Ergänzung mit effizienten Neubauten.
 
Schloß Holte-Stukenbrock:
Die Stadt in der Emssandebene setzt auf die systematische Optimierung der Heizungsanlagen in kommunalen Liegenschaften, indem alte Heizungspumpen in allen Liegenschaften durch Hocheffizienzpumpen ersetzt wurden. Zudem wurde die Dachflächennutzung auf den städtischen Gebäuden des Bauhofs, der Aula, des Rathauses sowie der Kläranlage erweitert. Weitere Aspekte sind der Ausbau des Radwegenetzes und die Schaffung von Ladestationen für E-Fahrzeuge und Pedelecs (Ausbau des Bahnhofes ist für 2019 geplant).
 
Straelen:
In Straelen beträgt die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien über 180.000 MWh. Der Ertrag wird unter anderem dazu genutzt, um an einer Ladesäule mit zwei 22-kW-Ladepunkten kostenlosen Strom zur Förderung der E-Mobilität anbieten zu können. Ebenso den Bereich der Mobilität betrifft der Umbau des Nordwalles als verkehrsberuhigter Bereich mit Tempo-20-Regelung.Sowohl die öffentlichen Gebäude als auch die Straßenbeleuchtung wurde auf LED umgerüstet.
 
Telgte (Gold):
Telgte punktete unter anderem durch die Beleuchtungssanierung in einer Schulsporthalle. Die rund 35 Jahre alte Technik wurde durch moderne LED-Technologie ersetzt. Dadurch gelingt eine Reduktion des Stromverbrauchs um 70 Prozent, das entspricht rund 20.000 kWh pro Jahr. Zudem engagiert sich die Stadt im Münsterland im Bereich der Klimafolgenanpassung – zum Beispiel durch Informationen zum Hochwasserschutz auf den städtischen Internetseiten.
 
Viersen:
Im niederrheinischen Viersen setzt man zu 100 Prozent auf Strom aus erneuerbaren Energiequellen für die kommunalen Liegenschaften. Zudem betreibt die Stadt zehn Photovoltaik-Anlagen und drei Blockheizkraftwerke. Zur Effizienzsteigerung wurde im Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium sowie zwei weiteren Turnhallen eine Beleuchtungssanierung durchgeführt. Der Energieversorger NEW investierte bis Mitte 2018 im Bereich Windenergie 44 Millionen Euro für die Errichtung von 22,4 MW und bei der Photovoltaik 2 Millionen Euro für die Errichtung von 2,0 MW.
 
Wetter:
In Wetter an der Ruhr wird zukunftsgerecht gebaut: Die Passivhaussiedlung Sunderweg/Am alten Stamm besteht aus 15 Einfamilienhäusern. Die Stadt Wetter/Ruhr als Grundstückseigentümerin hat auf vertraglicher Basis den Passivhausstandard festgelegt. In der Klimaschutzsiedlung Schmandbruch entstehen auf einem ehemaligen Sportplatz bis zu 24 Wohneinheiten in Passivhaus-Standard. In 2017 und 2018 wurden zwei E-Dienstfahrzeuge beschafft, am Rathaus und am Bahnhof wurden jeweils eine Ladesäule mit zwei Anschlüssen für E-Fahrzeuge aufgestellt, für E-Bikes stehen am Bahnhof zwei Ladeboxen und am Seeplatz eine Solarladestation, kombiniert mit Solarfahrradluftpumpe und Solarhandyladestation zur Verfügung.