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22.11.2017 | Klima- und Umweltschutz, Stadtplanung

Kommunalkongress in Wuppertal

NRW-Wirtschaftsminister Prof. Pinkwart: „Kommunales Handeln ist ein Standortfaktor im Wettbewerb um Unternehmensansiedlungen“

Was können Kommunen für Energiewende und Klimaschutz tun? Und wie kann man Kommunen dabei helfen? Darum ging es heute (22. November) bei der sechsten Auflage des Kommunalkongresses der EnergieAgentur.NRW in der Historischen Stadthalle von Wuppertal. Rund 250 Fachleute aus den nordrhein-westfälischen Kommunen und Kreisverwaltungen berieten sich dazu mit Vertreterinnen und Vertretern von Unternehmen, aus Wissenschaft und Forschung, Politik und Landesverwaltung.

„Wir bekennen uns zum Klimaschutzabkommen von Paris. Konkret bedeutet das, dass wir ein weitgehend treibhausgasneutrales Wirtschaften bis Mitte des Jahrhunderts anstreben. Dabei sind wir uns unserer Verantwortung als Industrie- und Energieland bewusst. Wir müssen die Wettbewerbsfähigkeit sowie Planungs- und Investitionssicherheit für Unternehmen erhalten. NRW will und wird zeigen, dass erfolgreicher Klimaschutz und ein starker Wirtschaftsstandort keine Gegensätze sind“, so NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart anlässlich des Kongresses. Der Minister rief die Kommunen dazu auf, die ökonomischen Potenziale, die sich im kommunalen Klimaschutz verbergen, zu nutzen.
 
Dabei hatte der Wirtschaftsminister auch Angebote zur Unterstützung der Kommunen aus Düsseldorf mitgebracht. So startete unlängst das „Sofortprogramm Elektromobilität“ der NRW-Landesregierung, mit dem Privatleute und Unternehmen bei der Anschaffung von Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge und den dazu notwendigen Bau-Maßnahmen gefördert werden können. Für Kommunen wird das Sofortprogramm Anfang 2018 gestartet. Der Minister sagte: „Kommunen sind nicht nur Nutzer einer zukunftsgerechten Mobilität, in dem sie zum Beispiel ihren Fahrzeugpark gemäß den Notwendigkeiten des Klima- und Emissionsschutzes modernisieren. Die Schaffung einer möglichst flächendeckenden Ladeinfrastruktur ist ein wichtiger Schritt, sie macht die E-Mobilität für den Markt deutlich attraktiver.“ Zudem wies Minister Pinkwart darauf hin, dass das Land im Rahmen des Projektaufrufs „KommunalerKlimaschutz.NRW“ über 100 Millionen Euro bereitgestellt hat, um modellhafte Klimaschutzprojekte in den Kommunen zu realisieren. Eine Neuauflage des Förderprogramms für 2018 wurde angekündigt.

Neben dem Bereich der Mobilität ging es vor allem auch um energetische Aspekte im Gebäudebereich. Nach Einschätzung der Landesregierung bietet der Wärmemarkt die größten mit einem vertretbaren Mittelaufwand zu erschließenden Potenziale zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen. „Die Versorgung der Gebäude mit Wärme ist eine weitere Baustelle, auf der sich Kommunen ein großer gestalterischer Spielraum bietet. In den letzten Jahren haben sich da mehr und mehr dezentrale Lösungen auf Quartiersebene als auf multiple Weise attraktiv erwiesen“, berichtete dazu Lothar Schneider, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW, aus der Praxis. So hatte die Altstadt von Bad Laasphe seit Jahren mit Abwanderung von Einzelhandel, Kleingewerbetreibenden und der Bewohner zu leiden. Ein Grund lag in der technisch mangelhaften Wärmeversorgung durch Nachtspeicheröfen oder alte Kesselanlagen. Im Rahmen des Projektes „Altstadtkraft – Energie unterm Pflasterstein“ soll eine Versorgung mittels Nahwärmenetz und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) für die Wende sorgen. „Das Projekt belegt, dass sich der Ausbau der KWK zur Effizienzsteigerung und Reduktion der CO2-Emissionen lohnt: Zum einen lassen sich so Denkmalschutz und Energieeffizienz vereinbaren. Zum andern profitiert die lokale und regionale Wertschöpfung der Bürgerinnen und Bürger“, fasst Joachim Debus, in Bad Laasphe verantwortlich für das Projekt, zwei wichtige Argumente zusammen.

In Bad Laasphe werden im Endausbau drei Blockheizkraftwerke (BHKW) für ein Nahwärmenetz betrieben. Sie versorgen unter anderem das Rathaus, ein Gymnasium, ein Pflegeheim, ein Hotel sowie weitere Gewerbebetriebe und im späteren Ausbau die historische Altstadt mit Wärme. Im Augenblick wird das Nahwärmenetz inkl. den Wärmeerzeugungsanlagen aufgebaut. Im Einsatz sind zur Zeit ein BHKW mit 50 kW elektrischer Leistung sowie ein Biomethan BHKW mit 350 kW elektrischer Leistung. Die fehlende Wärmeleistung wird bei Lastspitzen durch einen Gaskessel ausgeglichen. Im Sommer ermöglicht ein groß dimensionierter Wärmespeicher die BHKW-Laufzeit die gewünschten Tageszeiten zu erreichen und eine Entlastung des Stromnetzes kann erreicht werden. Dabei wirkt sich der ganzjährige Wärmebedarf der Gewerbebetriebe sowie der weiteren Großverbraucher wie Pflegeheim und Hotels ebenfalls positiv auf die Wirtschaftlichkeit des Netzes aus.