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28.06.2010 | Abfallwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Messen

Abluftbehandlung auf der IFAT ENTSORGA 2010

Die Messe München sprach mit Barbara Leyendecker, Referentin der Fachabteilung Luftreinhaltung und Guntram Preuß, Konjunkturexperte des Fachverbands Allgemeine Lufttechnik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA, Frankfurt am Main)

Messe München International (MMI): Herr Preuß, wie ist die Branche für Luftreinhaltungstechnik in Deutschland strukturiert?

Guntram Preuß: Die Anbieter von Luftreinhaltungstechnik für industrielle Prozesse stehen überwiegend für nachsorgenden Umweltschutz, der überall dort zum Einsatz kommt, wo integrierte Umweltschutzmaßnahmen nicht greifen. An Bedeutung gewinnen außerdem Abscheideverfahren innerhalb von Prozessen, zum Beispiel zur Zurückgewinnung von Stoffen. Neben den Herstellern von Serienprodukten sind viele Unternehmen auf konkrete Kundensegmente und die Abscheidung einzelner Schadstoffe spezialisiert. Hinzu kommen Anlagenbauer, die schlüsselfertig komplette Anlagen zur Luftreinhaltung liefern - von der Entwicklung über die Fertigung bis zur Inbetriebnahme und Instandhaltung. Ingesamt gibt es in Deutschland derzeit über 150 hauptsächlich kleine und mittelständische Unternehmen mit zusammen schätzungsweise 9.000 Mitarbeitern. Die größten Abnehmerbranchen sind Kraftwerke, Müllverbrennungsanlagen sowie die Metallindustrie, die Chemische und die Nahrungsmittelindustrie.

MMI: Welche Auswirkungen hat die Wirtschaftskrise auf die Umsätze der Branche?

Preuß: Nach sehr erfolgreichen Vorgängerjahren mussten die Firmen im vergangenen Jahr einen rund 20-prozentigen Umsatzrückgang auf etwa 1,7 Milliarden Euro hinnehmen. Für 2010 rechnen wir mit einem nochmaligen leichten Umsatzminus. Viele Anlagenbauer spüren erst in diesem Jahr die Folgen der Krise, da sie wegen der längeren Durchlaufzeiten der Projekte 2009 noch gut ausgelastet waren, aber unter Orderrückgängen leiden. Damit tut sich jetzt eine Auslastungslücke auf.

MMI: Wo gibt es aus Ihrer Sicht Chancen, diese Lücke zu schließen?

Preuß: Während für den sehr wichtigen Absatzmarkt Europa eine eher unterdurchschnittliche Marktentwicklung erwartet werden muss, rechnen die Unternehmen der deutschen Luftreinhaltungstechnik mit einer wachsenden Nachfrage insbesondere aus Ost- und Südostasien. Auch Nord- und Lateinamerika wird eine steigende Nachfrage zugetraut. Hier spürt die Branche eine verbesserte Investitionsneigung, zum Beispiel in der Automobilindustrie, im Anlagenbau und in rohstoffnahen Branchen. Eine grundsätzliche Voraussetzung für eine Marktbelebung ist die internationale Einhaltung bestehender Vorschriften zur Luftreinhaltung und eine Übertragung europäischer Standards in andere Länder. Neben diesen Chancen gilt es, die weiterhin bestehenden Risiken im Auge zu behalten. So wird das Geschäft vorerst kurzfristiger werden. Zudem ist bei einer konjunkturellen Erholung mit steigenden Rohstoffkosten zu rechnen.

MMI: Frau Leyendecker, welche technologischen Entwicklungslinien können Sie bei der Luftreinhaltungstechnik ausmachen?

Barbara Leyendecker: Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise und der Klimaschutzdiskussion sind energieeffiziente Produkte zunehmend gefragt. Viel versprechende Ansatzpunkte sind dabei zum Beispiel neue Methoden zur Wärmerückgewinnung, angepasste Steuerungstechniken, eine bedarfsorientierte Filterreinigung sowie energieeffiziente Ventilatoren. Weitere Antworten auf die Nachfragesituation sind modularisierte und standardisierte Produkte in Baukastensystemen, die eine individuelle Abstimmung auf die Anforderungen der Kunden ermöglichen. Zudem legen die Kunden zunehmend Wert auf eine hohe Termintreue und die Beherrschung von Komplexität durch die Anbieter.

MMI: Welche Bedeutung hat die Umweltmesse IFAT ENTSORGA für Ihre Mitgliedsunternehmen und die Branche allgemein?

Leyendecker: Die Unternehmen der Branche Luftreinhaltung, die im VDMA Mitglied sind, nehmen weltweit eine technologische Spitzenstellung ein. Da ihre Exportquote etwa 60 Prozent beträgt, bringen sie die deutschen Umweltstandards, die sich aufgrund strenger gesetzlicher Vorgaben entwickelt haben, in andere Länder. Sie tragen damit wesentlich zur Verwirklichung der Umwelt- und Klimaschutzziele bei. Mit ihrer Repräsentanz auf der IFAT ENTSORGA werden sie von der Internationalität des Messeplatzes profitieren. Die Firmen erwarten vor allen Dingen Kontakte mit ausländischen Fachbesuchern, insbesondere aus aufstrebenden Wirtschaftregionen. Für die Messe spricht aus Sicht der Unternehmen auch, dass dort alle wichtigen Umweltschutzbereiche Luft, Wasser und Abfall vertreten sind. Die Aussteller der Luftreinhaltung versprechen sich davon wertvolle Synergieeffekte. Nach den Einbußen seit etwa Mitte des Jahres 2009 sieht die Branche erste Lichtblicke und hofft, dass die IFAT ENTSORGA die nötigen Impulse für einen Aufschwung liefern wird. Insgesamt sehen sie im Bereich der Umweltschutztechnik mittelfristig gute Wachstumschancen und hoffen auf eine gelungene Veranstaltung im September in München.

Die IFAT ENTSORGA 2010 findet von 13. - 17. September auf dem Gelände der Neuen Messe München statt. Informationen rund um die Messe und das hochkarätige Rahmenprogramm entnehmen Sie bitte der Website www.ifat.de bzw. www.ifat.de/de/Rahmenprogramm.

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