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22.10.2009 | Klima- und Umweltschutz

"Kraftstoffe der Zukunft"

Der 7. Internationale BBE/UFOP-Fachkongress für Biokraftstoffe - Kraftstoffe der Zukunft 2009 - am 30.11. und 01.12. in Berlin erläutert und diskutiert das neue und komplexe Systems der Biokraftstoff-Zertifizierung am Beispiel der administrativen Umsetzung in Deutschland, informiert ausführlich über den aktuellen Stand der Umsetzung in nationales Recht, die dabei gemachten Erfahrungen und die sich daraus ergebenden Pflichten für die Biokraftstoffindustrie, äußert Bedenken der Branche und gibt Handlungsempfehlungen für die Politik, stellt Ansätze und Praxiserfahrungen mit unterschiedlichen Zertifizierungssystemen vor.

Deutschland hat weltweit die Vorreiterrolle übernommen, Nachhaltigkeitsanforderungen an Biokraftstoffe und andere flüssige Bioenergieträger im nationalen Recht zu verankern. Am 16. September wurden die Anforderungen aus der EU Direktive 2009/28/EG in einer Nachhaltigkeitsverordnung für Biokraftstoffe vom Bundeskabinett verabschiedet und treten somit am 2. November 2009 in Kraft. Zukünftig wird also der Nachweis der Einhaltung dieser Anforderungen notwendig sein, deren Nichterfüllung den Ausschluss von den Absatzmärkten in der EU und vor allem zunächst in Deutschland bedeutet.

Auf Grund des Zeitdrucks für die Schaffung der erforderlichen administrativen Voraussetzungen, insbesondere in Drittstaaten (Argentinien, USA, Malaysia usw.) ist zu befürchten, dass diese Länder praktisch vom deutschen bzw. EU-Markt ausgeschlossen werden. In Deutschland bedeutet die fristgerechte Umsetzung, dass sich die sog. Schnittstellen - Ersterfasser der Biomasse (Agrarhandel), Ölmühlen und Betriebe, die die aus der eingesetzten Biomasse Biokraftstoffe herstellen - zertifiziert sein müssen, damit die erzeugten und entsprechend vermarkteten Biokraftstoffmengen auf die Quotenverpflichtung bzw. auf die Steuerbegünstigung angerechnet werden können.

Die Kontrolle der nachhaltigen Erzeugung von Biokraftstoffen erfolgt über neu zu implementierende Zertifizierungssysteme und weiteren administrativen EDV-gestützten Schnittstellen (z.B. BLE; Biokraftstoffquotenstelle) wodurch sich weitere Anforderungen für die Unternehmen ergeben können. Somit kommt durch die Umsetzung der Nachhaltigkeitsanforderungen ein großer Verwaltungsaufwand auf die betroffenen Unternehmen zu, der nicht unerhebliche Kosten verursacht. Und noch immer sind viele Fragen ungeklärt, sodass der enge Zeitraum für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsverordnung in die Praxis von der Biokraftstoffbranche als problematisch betrachtet wird.

Eindeutige Definitionen eingeforderter Kriterien, zum Beispiel "Flächen mit einem hohen Naturschutzwert", fehlen noch ebenso wie klare Anforderungen an das von den Unternehmen zu implementierende Massenbilanzsystem. Diese werden derzeit in einer Verwaltungsvorschrift erarbeitet und für November 2009 erwartet.
Zudem muss die Zertifizierung der Schnittstellen geregelt werden, wofür wiederum die Erarbeitung und Anerkennung von Zertifizierungssystemen und Zertifizierungsstellen zunächst erfolgen muss. Unklar bleibt jedoch auch, ob die Umsetzung der Nachhaltigkeitsanforderungen in Deutschland überhaupt im Einklang stehen mit den Vorgaben aus Brüssel. Denn die Europäische Kommission wird ihrerseits erst im Herbst ihre "Guidelines" für die Übertragung der Nachhaltigkeitskriterien in nationales Recht veröffentlichen und auch dann erst die Anforderungen an den Nachweis und das Massenbilanzsystem sowie genaue Definitionen für die zu erfüllenden Nachhaltigkeitskriterien vorgeben. Anpassungen der gerade in Deutschland implementierten Nachhaltigkeitsverordnung könnten dann notwendig werden.

Während des 7. Internationalen BBE/UFOP-Fachkongress "Kraftstoffe der Zukunft" am 30.11. und 01.12. in Berlin erhalten die Teilnehmer aktuelle Informationen zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsanforderungen aus erster Hand und lernen von den ersten Erfahrungen in der Praxis.
Dr. Matthias Nickel von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung BLE wird den Stand der Umsetzung in Deutschland, die dabei gemachten Erfahrungen und die sich daraus ergebenden Anforderungen an die Biokraftstoffindustrie ausführlich erläutern, während Udo Hemmerling die Umsetzung kritisch aus Sicht des landwirtschaftlichen Berufstandes beleuchtet. Dr. Norbert Schmitz stellt im Anschluss ein im Auftrag des BMELV entwickeltes Zertifizierungssystem für Biokraftstoffe vor und berichtet von ersten Praxiserfahrungen. Emmanuel Desplechin (UNICA) und Martina Fleckenstein (WWF) hingegen präsentieren Ansätze und Praxiserfahrungen der Zertifizierung von Bioethanol in Brasilien bzw. Palmöl gemäß der RSPO-Kriterien. Von Paul Hodson, zuständiger Referatsleiter bei der GD TREN der EU-Kommission, erwarten wir schließlich Antworten auf die Fragen der Konformität der deutschen Umsetzung mit den Vorgaben aus Brüssel.

Für die Akteure des Biokraftstoffmarktes in Europa ist die Teilnahme an dem Fachkongress ein Muss. Ab 400, -Euro für die zweitägige, hochkarätige Veranstaltung erhalten die Teilnehmer zudem aktuelle Marktinformationen zu allen Biokraftstoffen und haben die Möglichkeit, mit wichtigen Entscheidungsträgern aus Wirtschaft und Politik direkt in Kontakt zu treten. Der jährliche Branchentreffpunkt in Berlin hat sich bereits fest als Plattform für Geschäftsanbahnungen und Leitveranstaltung für die Ausgestaltung der Biokraftstoffpolitik in Deutschland und Europa etabliert.

Weitere Informationen, das Programm und eine Anmeldemöglichkeit finden Sie im Internet unter www.kraftstoffe-der-zukunft.com