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09.09.2015 | Stadtplanung

Die STEG Stadtentwicklung GmbH in Dresden wird 25 Jahre

links im Bild: STEG Geschäftsführer Thomas Bleier und rechts im Bild: Artur Maier (Foto: die STEG Stadtentwicklung GmbH)

Geschäftsführer Thomas Bleier über die Anfänge der spannenden Daueraufgabe Stadtentwicklung, was die Aufgabe in Sachsen so besonders macht und seine Wünsche für die Zukunft.

Die STEG ist seit einem Vierteljahrhundert in Sachsen aktiv. Was konnte in den letzten 25 Jahren hier geschaffen werden?

Seit der Wiedervereinigung ist die STEG Stadtentwicklung GmbH auch in Sachsen der starke Partner von Städten und Gemeinden für Stadterneuerung und Stadtentwicklung. Um den Zerfall der Innenstädte aufzuhalten, war hier schnelles und überlegtes Handeln gefragt. Die DDR-Regierung hatte Altbaustrukturen an vielen Orten zu Gunsten des industriellen Wohnbaus aufgegeben. Nach der Wende forderten engagierte Bürger aber den Erhalt der historischen Gebäudesubstanz. Die Kommune der ersten Stunde, die wir dabei betreut haben, ist die Stadt Glauchau. Hier konnte mit Hilfe der Städtebauförderung unglaublich viel geschaffen werden. Die Innenstadt ist heute kaum wiederzuerkennen: Den Weg vom Schlossplatz bis zur Scherbergbrücke prägen sanierte Häuser und eine neu geschaffene Fußgängerzone lädt zum Flanieren ein. Stadtbildprägende historische Gebäude wie das alte Rathaus oder das ehemalige Hotel „Deutsches Haus“ konnten erhalten und nachgenutzt werden, aber auch unzählige Baumaßnahmen privater Eigentümer wurden gefördert. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Das gilt übrigens nicht nur für Glauchau, sondern stellvertretend für 70 weitere Kommunen, mit denen wir in Sachsen zusammenarbeiten.

Was macht das Thema Stadtentwicklung in Sachsen so besonders?

In Mitteldeutschland ist eine unglaubliche Gebäudevielfalt vorhanden. Oft sind Gebäude sämtlicher Epochen in einer Kommune zu finden: zum Beispiel aus der Renaissance, dem Barock und der Gründerzeit. Das liegt unter anderem daran, dass viele Städte in Sachsen bereits im Mittelalter an wichtigen Handelsachsen lagen und schon damals bedeutsam und wohlhabend waren. Dies hat nicht zuletzt die Identität der Städte und ihrer Bewohner über die Jahrhunderte hinweg geprägt. Auch heute noch gelten die Sachsen als fleißiges und handelndes Volk.

Genau hier setzt die STEG an. In den letzten 25 Jahren seit der Wende galt es die Identität der einzelnen Gemeinden und Städte wieder zu entdecken, historische Gebäude zu beleben und gleichzeitig an die Anforderungen der modernen Gesellschaft anzupassen. Für diese Aufgaben konnte die STEG in den letzten 25 Jahren über eine Milliarde Euro an Fördermitteln für ihre Projekte in Sachsen erfolgreich beantragen. Weitere sieben bis zehn Milliarden Euro wurden als Folgeinvestitionen der Sanierungen ausgelöst. Diese Summen sind dabei nicht vorrangig den großen Städten zugeflossen, im Gegenteil: Gerade in kleinen bis mittleren Ortszentren konnte viel aktiviert werden.

Welche Maßnahme oder welches Projekt möchten Sie dabei besonders hervorheben?

Jedes Projekt ist einzigartig, egal wie groß, komplex, umfangreich oder schwierig es ist. Das Thema Stadtentwicklung ist vielseitig und man muss es mit Herz und Verstand angehen. Und das tun wir alle. Eine Stadt, von der ich hier exemplarisch für viele andere sprechen möchte, da es sich um ein sehr anspruchsvolles Projekte handelt, ist der städtebauliche Erhalt und die Weiterentwicklung der historischen Altstadt Görlitz – eine der schönsten Deutschlands. Der mittelalterliche Stadtkern ist sehr groß, war aber nach der Wende in einem dramatisch schlechten Zustand. Für viele Gebäude kam die neue Ära regelrecht in letzter Minute. Die Görlitzer Altstadt wurde 1991 eine der elf Modellstädte des Bundes. Heute, nach 25 Jahren Städtebauförderung, finden sich hier prächtige Bürgerhäuser mit den charakteristischen Laubengängen, unter anderem das einzigartige Görlitzer Hallenhaus, neben weiteren lebendigen Wohngebäuden aller Epochen.

Große Veränderungen gab es aber auch in kleinen Kommunen. Eine Gemeinde ist mir persönlich ans Herz gewachsen: In Großpösna haben wir miterlebt wie die Verwaltung und die Bürger regelrecht um ihren Ort gekämpft haben. Dieses Engagement und diese Begeisterung haben mich damals, als ich als Planer am Beginn meiner beruflichen Laufbahn stand, nachhaltig beeindruckt. Gemeinsam mit der Gemeinde konnten wir über die Jahre ein echtes Ortszentrum schaffen. Aus einem ehemaligen, fast leerstehenden Rittergut-Areal wurde eine lebendige Ortsmitte. Die Gemeindeverwaltung ist hier für ihre Bürger da, eine Gaststätte lädt ein zum Verweilen, ein Trauzimmer findet rege Verwendung, ein Bürger- und Vereinshaus bietet genug Platz für verschiedene Aktivitäten, sogar eine Sporthalle, und auch die freiwillige Feuerwehr hat ihren Platz gefunden.

Beeindruckend sind aber nicht nur die sichtbaren Ergebnisse, sondern auch die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Fachleuten vor Ort und den erfahrenen STEG-Experten, die anfangs ihr Fachwissen aus den Verfahren in Baden-Württemberg mitgebracht hatten. Ein sinnvoller Wissenstransfer, der bei der STEG längst selbstverständlich geworden ist und heute in alle Richtungen funktioniert.

Wie unterscheidet sich die Stadtentwicklung heute von damals?

Letztlich hat sich der Prozess in drei Etappen entwickelt. Bis in die 2000er Jahre galt es vorrangig, den historisch wichtigen Gebäudebestand zu sichern, ihn Zug um Zug zu modernisieren und damit leere Häuser wieder mit Leben zu füllen. Das war eine sehr intensive Zeit, mit zahlreichen und vielfältigen Aufgaben.

Im Jahr 2000 hatte die Kommission „Wohnungswirtschaftlicher Strukturwandel in den neuen Bundesländern“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen erörtert, welche Maßnahmen bezüglich des Leerstands in der ehemaligen DDR zu ergreifen seien. In den Folgejahren verschärfte sich dieses Thema durch die starke Abwanderung noch weiter. Damit stand die städtebauliche Erneuerung auf dem Prüfstand. Dies war die Geburtsstunde des integrierten Stadtentwicklungskonzepts in Sachsen mit dem Ansatz, die Kommunen von innen heraus zu entwickeln und das Zentrum und damit die Identität zu stärken.

Und wie sieht es aktuell aus?

Seit ca. 2010 befinden wir uns in der dritten Phase der Stadtentwicklung. In den letzten Jahren haben sich die Städte die Zeit dafür genommen, ihre eigene Identität weiter auszubauen, oft in Verbindung mit der Region in der sie liegen. Die eigenen Vorteile wurden intensiv herausgearbeitet. Das Ergebnis sind gezielte weitere Investitionen, punktuell neue Gewerbe- und Industrieansiedlungen und ein kleiner, aber feiner Zuzug. Trotz der positiven Entwicklung bleibt der demografische Wandel aber eine große Herausforderung für den Erhalt von Attraktivität und Infrastruktur der Kommunen. Als Stadtentwickler sind wir in diesem Punkt besonders konzeptionell gefordert.

Was ist für Sie das Besondere beim Thema Stadtentwicklung?

Das Besondere ist für mich die Kontinuität, Verlässlichkeit, Ausdauer und Kreativität, die diese Aufgabe verlangt. Im Zusammenwirken mit den kommunalen Partnern ist dies sehr wichtig. Denn beide Seiten sind sich bewusst, dass Stadtentwicklung ein Prozess, eine Daueraufgabe, ist. Daher ist unser Slogan „STADT. NEU. DENKEN“ heute auch genauso aktuell wie vor 25 Jahren oder in der Zukunft.

Dass dieser Gedanke gemeinschaftlich gelebt wird, ist sehr wichtig, sei es in der Politik, bei Planern oder Kaufleuten – und das beeindruckt mich immer wieder. Eine Sanierungs-maßnahme hat eine Laufzeit zwischen acht und zehn Jahren. Es gibt auch Verfahren, wie in der Stadt Görlitz, die wir bereits seit der Wende begleiten. Da kennt man sich und das schweißt die Beteiligten zusammen. Gleichzeitig vertrauen unsere kommunalen Kunden darauf, dass wir neue Ideen einbringen und Prozesse vereinfachen, um damit noch effizienter zu werden. Derzeit führen wir ein neues datenbasiertes Sanierungs-managementsystem ein, das den Kunden die Möglichkeit bietet, jederzeit den wirt-schaftlichen Stand der Maßnahme online abzufragen. Außerdem können wir mit unserem neuen Fördermittel-Investitionsnachweis (kurz FIN) darstellen, wohin genau die eingesetzten Fördermittel fließen. Meistens ins lokale Handwerk beziehungsweise in Firmen im engsten Umfeld der Kommunen. Das gibt unseren Kunden Planungs- und Entscheidungssicherheit, da die eingesetzten Fördermittel auch wieder einen erheblichen Anteil an Gewerbesteuereinnahmen verursachen, die sich positiv auf den kommunalen Haushalt auswirken.

Was erwarten Sie in den nächsten 25 Jahren?

Stadtentwicklung wird weiterhin eine spannende Herausforderung in einem nicht leichter werdenden Aufgabenfeld gemeinsam mit Bürgern, Kommunalverwaltung sowie Bund und Ländern sein. Auch in der STEG setzen wir verstärkt auf Teamarbeit. Für jede Aufgabe stellen wir ein eigenes Expertenteam zusammen, denn kein Projekt ist wie das andere.

Wie begegnen Sie den aktuellen Bedürfnissen?

Für die zunehmend komplexen Sanierungsfälle und Aufgaben werden mehr Spezialisten, ein ständiger Wissenstransfer und neue Lösungswege benötigt, daher entwickeln wir unsere Mitarbeiter und unser Unternehmen kontinuierlich weiter. Inzwischen ist die Projekt-entwicklung neben der Stadterneuerung ein wichtiges Instrument für die Innenentwicklung und die Aktivierung von Brachflächen geworden. Projektentwicklung heißt für die STEG das Aufbereiten der Investitionsentscheidung für Bauträger und Investoren. Im Auftrag von Grundstückseigentümern werden Standortanalysen erstellt, Planungskonzepte und Baurecht entwickelt sowie Nutzer und Betreiber akquiriert. Sobald eine ausreichende Belegung der Nutzflächen gegeben ist, wird das Grundstück zur Realisierung bei Investoren platziert.

Was wünschen Sie sich von der Politik?

Bund und Länder haben erkannt, wie wichtig und sinnvoll die städtebauliche Förderung ist. Daher gibt es zur finanziellen Bewältigung der Aufgaben aktuell eine Vielzahl von Förder-programmen. Leider werden die Budgets innerhalb dieser Programme jedoch tendenziell kleiner. Hier hoffen wir weiterhin auf starke Unterstützung durch Bund und Länder.

Da Stadtentwicklung eine Daueraufgabe ist, wäre es wünschenswert, wenn sie nicht an Legislaturperioden gekoppelt wäre und sich von Parteietats unabhängig zeigt. Als Dauer-instanz kostet sie den Bund nachweislich keinen Cent, denn die zusätzlichen Steuer-einnahmen kompensieren die Ausgaben vollständig.

Und was wünschen Sie sich für die STEG?

Die STEG verfügt über ein kreatives Team von Stadtplanern, Architekten, Ingenieuren und Betriebswirten, die gemeinsam mit ihren Kunden individuelle Lösungen erarbeiten. Ich wünsche mir, dass alle Kollegen weiterhin mit dem gleichen Elan bei ihrer Arbeit sind und wir mit vielen positiven Erlebnissen in die nächsten 25 Jahre starten können.

Die Grundlagen haben wir dafür schon gelegt: Mit Artur Maier, der Anfang 2015 zu mir in die Geschäftsführung gestoßen ist, haben wir einen Top-Spezialisten. Zusammen werden wir die STEG ausbauen, spezialisieren und wachsen, um den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden und auch weiterhin der starke und verlässliche Partner für unsere Kunden zu sein.

STEG Geschäftsführer Thomas Bleier im Interview mit Redakteurin Michaela Gnann

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

die STEG Stadtentwicklung GmbH

Olgastraße 54
70182 Stuttgart

Tel.: +49 (0)711/21068-177
Fax: +49 (0)711/21068-112

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Web: http://www.steg.de