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24.09.2014 | Klima- und Umweltschutz

Scharf: Europa braucht straffen Klimafahrplan

Der Klimaschutz muss auf der politischen Agenda Europas ganz oben stehen. Das betonte die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf anlässlich des UN-Klimagipfels in New York. "Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Wenn wir das Ruder beim Klimaschutz nicht herumreißen, steuern wir in ein Katastrophenszenario. Die Bürger haben weltweit gezeigt, wie wichtig ihnen der Klimaschutz ist. Das ist Verpflichtung und Motivation zugleich. Diesen Rückenwind müssen wir nutzen und jetzt die Weichen für einen erfolgreichen Weltklimagipfel 2015 in Paris stellen. Die EU muss beim Klimawandel ihrer Vorreiterrolle nachkommen", so Scharf.

Auch der Bund sei gefordert, sich auf europäischer Ebene für ehrgeizige Klimaziele einzusetzen und mit gutem Beispiel voranzugehen. Dies gelte gerade auch im Hinblick auf die Energiewende. Scharf: "Wir dürfen bei der Energiewende unsere Klimaziele nicht aus den Augen verlieren. Ich sehe vor allem den vermehrten Einsatz von Braunkohle zur Stromerzeugung kritisch. Der niedrige Preis für CO2-Verschmutzungszertifikate hat in Deutschland für einen regelrechten Braunkohleboom gesorgt. Hier müssen wir gegensteuern, um unsere nationalen Klimaschutzziele nicht zu gefährden."

Weltweit müssen sich die Regionen auf die Folgen des Klimawandels einstellen. Studien zeigen, dass die Menschheit auf einen Temperaturanstieg von bis zu 4 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zusteuert, verbunden mit einem Anstieg des Meeresspiegels oder Extremwetter-Ereignissen. Schätzungen zufolge kann der Klimawandel in den nächsten 25 Jahren allein in Deutschland bis zu 800 Milliarden Euro kosten. In Bayern werden beispielsweise bis 2050 die Niederschläge im Sommer deutlich abnehmen. Schon heute fällt in Nordbayern ein Drittel weniger Regen als im Süden. Scharf: "Der Klimawandel ist ein globales Problem mit gravierenden Konsequenzen für die einzelnen Regionen. Deshalb muss direkt vor Ort gehandelt werden. Bayern ist auf einem guten Weg: Bis 2030 soll der Ausstoß von Treibhausgasen in Bayern auf unter 5 Tonnen pro Kopf und Jahr sinken, bis 2050 auf weniger als 2 Tonnen." Bayern will dazu beispielsweise 50 Moore renaturieren, die große Mengen CO2 binden können. Moore bedecken weltweit nur 3 Prozent der Landfläche. Trotzdem speichern sie doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen. Daneben soll bis 2015 der erste bayerische Klima-Report fertiggestellt sein, um regionale Folgen und Anpassungsmaßnahmen darzustellen.

Besonders sensibel auf Klimaänderungen reagiert der bayerische Alpenraum. Hier ist die Temperatur in den letzten 100 Jahren mit 1,5 Grad Celsius doppelt so stark gestiegen wie im globalen Durchschnitt. Als Folge könnten in 20 bis 30 Jahren alle bayerischen Gletscher bis auf den Höllental-Gletscher an der Zugspitze verschwunden sein. Aber auch die Natur verändert sich durch den Klimawandel: die Zahl der wärmeliebenden Pflanzen hat sich in Bayern in den letzten 25 Jahren nahezu verdreifacht.