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06.12.2014 | Energie, Klima- und Umweltschutz, Versorgungsnetze

Lebensraum unter Strom - Biotope durch Leitungstrassen vernetzen

Bestehende Stromtrassen besitzen als Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten großes Potenzial, darauf weist der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) hin. Trassen müssen aus Gründen der Übertragungssicherheit von hohen Bäumen freigehalten werden.

Deutsche Verband für Landschaftspflege

Besonders bei Stromschneisen durch Wälder wirkt dieser Eingriff oft drastisch. Bei kluger Bewirtschaftung werden die Flächen aber als Biotop für Reptilien, Insekten oder seltene Pflanzenarten interessant. Der DVL gibt in einem aktuellen Leitfaden Tipps, wie Stromtrassen gestaltet und genutzt werden sollten.

Bisher werden die meisten Trassen eher selten, dann aber rigoros entbuscht. Das bedeutet natürlich auch einen massiven Eingriff in die Tier- und Pflanzenwelt, den man vermeiden kann. Wird etwa auf passenden Standorten ein Halbtrockenrasen angesiedelt und regelmäßig beweidet oder gemäht, erübrigen sich weitere Maßnahmen zur Übertragungssicherung. Auch stehendes Totholz kann auf der Trasse belassen werden. Das spart mittelfristig nicht nur Geld, sondern nützt auch seltenen Arten wie der Schlingnatter oder dem Juchtenkäfer.

Landschaftspflegeverbände besitzen das Knowhow, Flächen wirtschaftlich und auf die Entwicklung natürlicher Lebensräume hin zu pflegen. Deshalb bietet das ökologische Trassenmanagement die ideale Möglichkeit für eine Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern und Landschaftspflegeorganisationen, bei der beide Seiten profitieren: die technischen Anforderungen zur Übertragungssicherung und die Aufwertung der Stromtrassen durch Biotope können unter einen Hut gebracht werden.

Der DVL-Leitfaden ist eine praxisnahe Grundlage für das naturschutzfachliche Management von Leitungstrassen. In ihn sind Praxiswissen und Erfahrungen aus vielen Regionen Deutschlands eingeflossen. Zudem hat der DVL als Dachverband der Landschaftspflegeorganisationen hier erstmals ökologisches Trassenmanagement definiert. Die möglichen Maßnahmen, von der Ablagerung von Totholz über die Ansiedlung gebietsheimischer Magerrasen bis zur Beweidung mit Rindern und Schafen werden beschrieben und mit Beispielen untersetzt.

Der Leitfaden ist gegen Versandkosten in der DVL-Geschäftsstelle zu bestellen.

Deutscher Verband für Landschaftspflege e. V. (DVL)
Feuchtwanger Str. 38
91522 Ansbach
Tel. +49 (0)981/4653-3545