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29.10.2013 | Abfallwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Messen

IFAT zukunftsweisend: Versteckte Energiepotenziale in Abfallstoffen

Müll sicher entsorgen oder verschmutztes Wasser zuverlässig reinigen reicht heute längst nicht mehr: Zunehmend werden auch die in Abfällen, Abwässern und Abluftströmen steckenden Energiepotenziale erschlossen.

Die Aussteller der Umwelttechnologiemesse IFAT zeigen vom 5. bis 9. Mai 2014 auf dem Münchner Messegelände auch in diesem Segment erneut die neuesten Technologien und Lösungen.
Die Europäische Union hat das in der Deponierichtlinie aus dem Jahr 1999 festgeschriebene Ziel, die Deponierung von Abfällen zu minimieren. Das macht Europa neben Ostasien zum größten Nachfrager für Waste-to-Energy-Lösungen. Laut einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmens Frost & Sullivan erwirtschaftete der Europamarkt für Müllheizkraftwerke im Jahr 2012 einen Umsatz von 4,22 Milliarden US-Dollar. Bis zum Jahr 2016 soll dieser Wert auf 4,94 Milliarden steigen.

Beim Neubau von Müllheizkraftwerken gelten Großbritannien und Polen als die attraktivsten und aktivsten Märkte der nächsten Jahre. Von Deutschland, Frankreich und Skandinavien, Vorreiternationen der thermischen Verwertung, können nach Einschätzung der Frost & Sullivan-Analysten hingegen bereits Marktimpulse aus der Modernisierung von teils Jahrzehnte alten Anlagen erwartet werden.
Außerhalb Europas setzt vor allem China zunehmend auf Müllverbrennung.
Das auf Energie- und Umweltthemen spezialisierte Beratungsunternehmen Ecoprog rechnet damit, dass in der Volksrepublik in den nächsten fünf Jahren jährlich rund 125 Anlagen mit Kapazitäten von 40 Millionen Jahrestonnen in Betrieb genommen werden.

Neben der Verbrennung ist die Vergasung ein weiterer Weg, dem Müll seinen Energieinhalt zu entlocken. Hier bietet die Aufbereitung des Methans auf Erdgasqualität neue Perspektiven. Dadurch kann zum Beispiel das in Biogasanlagen aus organischen Abfällen gewonnene Gas in das allgemeine Erdgasnetz eingespeist werden, was neue logistische und wirtschaftliche Optionen schafft.
Einen interessanten Ringschluss verwirklichen derzeit große Entsorgungsunternehmen in den USA. Sie wandeln zunehmend Deponiegase in Treibstoff für ihre erdgasgetriebenen Müllfahrzeuge um.

Nicht nur feste Abfälle, auch Abwässer sind heimliche Energieträger. So wurden beispielsweise in Deutschland im vergangenen Jahr aus Klärgas über 1.200 Gigawattstunden Strom erzeugt. Dies entspricht dem Verbrauch von etwa 360.000 Haushalten. Und hier ist noch viel Luft nach oben: Von den mehr als 10.000 deutschen Kläranlagen gewinnen nur rund 1.200 bei der Klärschlammfaulung Klärgas.

Aber auch schon vor der Klärung lässt sich dem Abwasser Energie entziehen. Denn unter unseren Füßen fließt permanent ein warmer Fluss: Häusliches, gewerbliches und industrielles Abwasser strömt mit Temperaturen zwischen 12 und 20 Grad Celsius durch die Kanalisation. Über spezielle Wärmetauscher geleitet, kann dieses Energiepotenzial gewonnen und mittels Wärmepumpe zum Heizen oder Kühlen von Gebäuden genutzt werden.

Laut der Themenallianz Abwasserwärmenutzung, einem Zusammenschluss von Unternehmen, Dienstleistern und Forschungseinrichtungen, könnten theoretisch rund sechs Prozent aller Gebäude in Deutschland mit Abwasserwärme beheizt werden. Nach dem Kenntnisstand der Themenallianz sind in Deutschland derzeit etwa 35 entsprechende Anlagen in Betrieb.

Auch das Medium Luft ist im Visier der Umwelttechnologie-Entwickler: Mit cleveren Verfahrenskombinationen können industrielle Abluftströme herangezogen werden, um fossile Brennstoffe einzusparen. So ist es neuerdings möglich, Lösemitteldämpfe so zu konzentrieren und aufzubereiten, dass sie in benachbarten Dampfkesseln oder Blockheizkraftwerken wie Erdgas verbrannt werden können.

Weitere Informationen gibt es unter www.ifat.de