Public Manager
09.01.2013 | Energie, Gebäudemanagement, Gebäudesanierung, Klima- und Umweltschutz

10.000 Menschen in NRW leben in Solar-und Klimaschutzsiedlungen

Fachtagung "150 Solar- und Klimaschutzsiedlungen in NRW" mit 280 Experten in der Stadthalle Wuppertal --- Herausforderung und Chance: Planen und Bauen für den Klimaschutz und die Nachhaltigkeit

Das energieeffiziente und solare Bauen und die energetische Sanierung von Gebäuden nimmt bei Klimaschutz-Aktivitäten eine zentrale Rolle ein. Denn etwa ein Drittel des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland wird für die Raumwärme und Warmwassererzeugung in Gebäuden benötigt. In Nordrhein-Westfalen sind durch die Projekte "50 Solarsiedlungen in NRW" und "100 Klimaschutzsiedlungen in NRW" bereits fast 100 Siedlungsvorhaben initiiert worden, die das Ziel der Energieeffizienz mit unterschiedlichen Lösungen verfolgen.
Die EnergieAgentur.NRW veranstaltete zu diesem Thema im Dezember eine Fachtagung, an der rund 280 Experten teilnahmen.

"Sowohl im Neubau als auch im Bestand demonstrieren die Solar- und Klimaschutzsiedlungen, welche hohe Wohn- und Lebensqualität durch solares Planen und Bauen realisiert werden kann. Über die energetischen Anforderungen hinaus wurde bei den Siedlungen aber auch auf weitere Belange der Nachhaltigkeit geachtet. Die Standorte müssen beispielsweise alle mit nahen Versorgungsangeboten eingebunden sein und über einen guten Anschluss an den öffentlichen Personennahverkehr verfügen," sagte NRW-Klimaschutzminister Johannes Remmel in seinem Eröffnungsvortrag.

Hartmut Miksch, Präsident der Architektenkammer NRW, begrüßte ebenfalls die Teilnehmer der Tagung. "Der bauliche Klimaschutz ist eines der ganz großen Ziele, die wir erreichen müssen", erklärte er und betonte die weitergehenden Aufgaben: "Energetische Sanierungsmaßnahmen und die barrierearme Anpassung des Wohnungsbestandes an eine alternde Gesellschaft müssen zusammen angegangen werden, damit unsere Quartiere, Siedlungen und Städte zukunftsfest gestaltet werden."

Diese Ziele sind große gesellschaftliche Aufgaben, für die enorme Anstrengungen unternommen werden müssen. Dass darin aber nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen liegen, machte Bernd Reiter von der Bernd Reiter Gruppe in Hürth deutlich. Er stellte in seinem Vortrag die Klimaschutzsiedlung Hürth als Praxisbeispiel vor und sprach über das Thema Energieeffizienz als Marketinginstrument.

"Die Menschen werden sich ihrer Energieverschwendung zunehmend bewusst und wollen das ändern. Sie möchten energieeffizient leben und wohnen, und das mit gutem Gewissen und mit gutem Stil. Deshalb können Energieeffizienz und zukunftsweisendes Bauen besondere Anreize, also auch verkaufsfördernde Argumente bilden", so der Experte.

Auf die Gestaltungsaspekte beim energieeffizienten Bauen ging Dirk Druschke von Druschke + Grosser Architekten aus Duisburg in seinem Vortrag ausführlich ein. "Beim energetischen Bauen darf die baukünstlerische Qualität nicht zu kurz kommen. Das muss aber auch gar nicht sein", so betonte er. Architektur werde generell durch gute Proportionen und Raumvolumen bestimmt. Dass die Gestaltungsmöglichkeiten somit auch beim Passivhaus und Effizienzhäuser 55 vielfältig sind, veranschaulichte er in seinem Vortrag anhand von Beispielen. Vorgestellt wurden die Klimaschutzsiedlung Dilldorfer Höhe in Essen, die Solarsiedlung Düsseldorf-Garath sowie die Rennerstraße in Duisburg-Hamborn. Die beiden letztgenannten Projekte wurden mit dem Landespreis für Architektur, Wohnungs- und Städtebau 2012 NRW ausgezeichnet.

"Man hat man gute Chancen, künstlerische Grundsätze auch beim energieeffizienten Bauen umzusetzen. Es bleibt genügend Gestaltungsspielraum", so die Überzeugung des Architekten.

In einem der drei parallelen Workshops am Nachmittag ging es schwerpunktmäßig um das Thema Baugruppen und Genossenschaften. Dass gerade Baugruppen innovative Projekte vorantreiben können und wollen, erläuterte Angelika Simbriger vom koelnInstitut iPEK. "Es sind meistens integrative Ansätze, die die Quartiere beleben und stabilisieren", so konnte Simbriger aus der Erfahrung ihrer Beratertätigkeit berichten. "Diese neuen Bauherren sind längst aus der Nische heraus und inspirieren den Mainstream", so fasste sie zusammen.

Architektin Anja Schacht, die derzeit das Projekt der Wuppertaler Baugruppe Malerstraße bearbeitet, appellierte in ihrem Vortrag an die Vertreter der Kommunen: "Unterstützen Sie Baugruppen! Denn darin sind die Personen, die man sich in einer Stadt wünscht: engagierte Bürger. Sie setzen sich aktiv für die Stadt und deren Zukunft ein. Das ist auch der Grund, warum Baugruppen und Klimaschutzsiedlungen kongenial zusammen passen", so die Architektin.

http://www.50-solarsiedlungen.de
und http://www.100-klimaschutzsiedlungen.de