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01.11.2010 | Abfallwirtschaft, Energie, Klima- und Umweltschutz

Erstes Kleinkraftwerk bei Kunststoffverarbeitern in Betrieb gegangen

Das erste Kleinkraftwerk mit Energiezentrale bei einem Kunststoffverarbeiter und in der Schaumstoff- und Polyurethan verarbeitenden Industrie nimmt dieser Tage den Betrieb auf. Vertreter aus der Arbeitsgruppe Recycling und Verwertung des Fachverbandes Schaumkunststoffe und Polyurethane e.V. (FSK) besichtigten die kürzlich erbaute Feststoffverbrennungsanlage der Odenwald-Chemie GmbH in Neckarsteinach.

Mit dabei (v.l.n.r. Dipl.-Ing. Roland Schneider (Fehrer Automotive Foam GmbH); Manfred Werner (Sekisui Alveo GmbH); Klaus Kretschmar (Kretschmar GmbH); Norbert Dinter (Öko Energie Umweltfonds1 GmbH & Co. KG); Hans-Peter Augele (Odenwald-Chemie GmbH); Michael Feist (Odenwald-Chemie GmbH); Dr. Jens Lühr (Fischer GmbH); Dr. Hans W. Schloz (FSK Fachverband Schaumkunststoffe e. V.); Ralf Henrici (Rühl Puromer GmbH); Dr. Norbert Eisen (Bayer Material Science AG). (Foto: Fachverbande Schaumkunststoffe und Polyurethane e.V.)

Ziel der Anlage sei es, die Verwertung der Produktionsabfälle zukünftig vor Ort vorzunehmen, womit der überflüssige LKW-Transport zum Entsorger und die anfallenden Entsorgungskosten eingespart werden könne, so der Odenwald-Geschäftsführer Hans-Peter Augele. Dazu komme die Entlastung des Ortes Neckarsteinach um ca. 600 Lkws jährlich und das enorme Einsparpotenzial von rund 2/3 des jährlichen Rohölverbrauchs für Heizung und Prozesswärme in der Produktion durch die Energiegewinnung aus Produktionsabfällen. Die Odenwald-Chemie GmbH rechnet mit rund 20 t CO²-Einsparung durch diesen effektiven Energiegewinnungsprozess mit kurzen Wegen auf dem eigenen Werksgelände.

Durch die steigenden Rohstoff- und Energiepreise amortisiere sich die Anlage in den nächsten ca. fünf Jahren. Emissionsmessungen hätten zudem ergeben, dass die Emissionen bei der Verbrennung der Polyethylen-Produktionsabfälle im eigenen Hause im Vergleich zu der Pellet-Verbrennung niedriger liegen. Michael Feist von der Odenwald-Chemie GmbH kann sich ähnliche Anlagen auch für andere Kunststoffe und bestimmte Arten von Post-Consumer-Abfällen ebenso effizient vorstellen und hält dies für einen umwelt- und energiepolitisch guten Weg. Die Recycling-Gruppe im FSK, die bereits vor zwei Jahren eine großtechnische Anlage zur Verbrennung von Feststoffabfällen bei Conti besichtigt hatte, bewertet die Feststoffverbrennung als effiziente energetische Verwertung in Anbetracht der steigenden Energiepreise.

Roland Schneider, Umwelt-Fachmann des Automobilzulieferers Fehrer und damit ein großer Verarbeiter von Polyurethan, schränkt ein, dass nicht alle Kunststoffe in gleicher Form für die Feststoffverbrennung geeignet seien. Bei anderen Kunststoffen sei möglicherweise ein etwas aufwendigerer Verbrennungs- und Luftreinhaltungsprozess notwendig.

Umweltpolitisch sei es aber auch mit Blick auf das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz das richtige Ziel, den Verbrauch von Rohöl zur Energiegewinnung durch die Verbrennung von Feststoffen zu reduzieren, die bereits zehn oder zwanzig Jahre in Kunststoffen wertvollen Dienst geleistet haben. Dieses Ziel fließt in die Position des FSK zum neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz ein, das die europäische Abfall-Rahmenrichtlinie umsetzt und bis Ende des Jahres die parlamentarischen Hürden nehmen muss. Dort wo Verwertung und Recycling marktfähig und technisch effizient machbar ist, sei dies zu unterstützen, ansonsten müsse effiziente Verbrennung gesetzlich erlaubt sein. Es könne nicht richtig sein, so der FSK Geschäftsführer Dr. Schloz, dass Produktions- und Consumer-Abfälle durch ganz Europa gefahren und weltweit verschifft werden, um diese einem Recyclingprozess zuzuführen. Transportenergie und -Kosten müssten beim Verwertungsprozess in die Bilanz mit aufgenommen werden. Wenn man das tut, erscheint mancher Recyclingweg nicht gerade umweltfreundlich!

 

Weitere Informationen zu den Themen sind beim FSK erhältlich (069-299 207 0 / fsk@fsk-vsv.de).

Für den FSK gratulierte der Geschäftsführer Dr. Hans W. Schloz dem Geschäftsführer der Odenwald-Chemie Hans-Peter Augele und dem Vertriebsleiter Michael Feist zur Errichtung des ersten "Kleinkraftwerks" in der Kunststoffverarbeitung.

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

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