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23.11.2009 | Klima- und Umweltschutz

Tagung "Energie – Klima – Stadt" in Düsseldorf: Stadtplanungsfaktor Klimaschutz – Kommunen stellen sich dem Klimawandel

Kommunen der Zukunft schonen das Klima und bereiten sich schon heute auf die unvermeidlichen Folgen des Klimawandels vor -, prognostizierte NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg heute (23. November 2009) vor rund 300 Fachleuten aus dem gesamten Bundesgebiet anlässlich der Tagung - Energie-Klima-Stadt.

"Energiebewusste Siedlungs- und Infrastrukturplanung, Angebote von Kommunen und Stadtwerken für mehr Erneuerbare Energien und Energieeffizienz und die praktische Vorsorge gegen die Folgen des Klimawandels werden langfristig die Qualität eines Standorts ausmachen. Mit positivem Beispiel voran gehen hier die nordrhein-westfälischen Klimakommunen Bocholt und Saerbeck", so Uhlenberg.

Zur Tagung hatte die EnBW Energie Baden-Württemberg AG in Kooperation mit der EnergieAgentur.NRW in die Düsseldorfer Rheinterrassen geladen. Die Tagung machte deutlich, wie vielschichtig die Herausforderungen für eine Kommune aufgrund des Klimawandels sind. Die Praxisbeispiele zeigten auch, dass viele Städte und Energiedienstleister den Weg zu einer ganzheitlichen, zeitgemäßen Stadtplanung längst eingeschlagen haben. Münster und Mülheim an der Ruhr konnten ihre Konzepte vorstellen, verschiedene innovative Projekte von Seiten der Energiewirtschaft rundeten das Bild ab.

"Klimaschutz ist nicht nur ein Thema für internationale Konferenzen. Der Großteil der weltweiten Treibhausgase entsteht in Städten und deshalb wird dort zu beobachten sein, wie wir hier einen nachhaltigen und klimaschonenden Weg einschlagen können", konstatierte Hans-Peter Villis, Vorstandsvorsitzender der EnBW AG.

"Städte mit Zukunft werden künftig energie-effiziente Städte sein und Energieeffizienz wird zum regionalen Standortfaktor. Energieeffiziente Strom- und Wärmeversorgung und nachhaltige Mobilitätskonzepte sind jedoch komplex und erfordern neben Innovationen auch Partnerschaften zwischen Politik, Wissenschaft und Energieunternehmen", bekräftigte er.

In vielen Kommunen wird derzeit die "energetische Gretchenfrage" gestellt: "Unsere Städte sind energetische Großverbraucher. Als Betreiber von Immobilien wie Schulen, Rathäusern oder Schwimmbädern verbrauchen sie überdurchschnittlich Strom, Wärme und Wasser und emittieren entsprechend CO2. Und damit sind Energiekosten ein beträchtlicher Haushaltsposten und die Emissionen eine Beeinträchtigung von Lebensqualität. Beides sind inzwischen für Städte existentielle Probleme", erklärte Prof. Dr. Norbert Hüttenhölscher, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW.

Aber, auch das wurde deutlich: Städten und Gemeinden bietet sich inzwischen ein breites Spektrum von Instrumenten zur aktiven Beeinflussung von Energie- und Umweltfaktoren auf die Raumgestaltung. In Nordrhein-Westfalen nehmen derweil 100 Kommunen am European Energy Award des NRW-Wirtschaftsministeriums teil, einem System zur Zertifizierung von Bemühungen um Nachhaltigkeit.
Wirkung zeigt beispielsweise auch der Wettbewerb "Aktion Klimaplus - NRW-Klimakommune der Zukunft" des NRW-Umweltministeriums.

Das nordrhein-westfälische Projekt "50 Solarsiedlungen" zeigt, dass Siedlungen der neuen Art keine Utopie sind, sondern schon bewohnt werden.

Immer häufiger kommt die Kraft-Wärme-Kopplung zum Zuge. Dabei bieten sich gerade die kommunalen Liegenschaften wie Schulen, Rathäuser, Krankenhäuser oder Schwimmbäder für effiziente, dezentrale Lösungen bei der Energieversorgung an.

Minister Uhlenberg verwies darauf, dass auch die Nutzung von Bioenergie in den Kommunen zunehmend auf Akzeptanz stoße. "In der Praxis hat sich in zahlreichen Beispielen der Einsatz von Holzpellet-Heizungsanlagen - zum Beispiel in Kindergärten, Schulen oder Verwaltungsgebäuden - als ökonomisch und ökologisch überzeugendes Modell bewährt", so der Minister.

Auch das veränderte, energiebewusste Nutzerverhalten gehört zum Spektrum. Hier bieten sich gerade Schulen an, um frühzeitig Nutzerverhalten zu beeinflussen. "In Schulen kann man nicht nur Mathematik lernen, sondern ebenso ein energiebewusstes Verhalten. Im Unterricht oder in Arbeitsgemeinschaften kann die Thematik aufgegriffen werden. Ziel ist es, den Energieverbrauch in den Schulen zu optimieren und das Gelernte in das private Umfeld zu übertragen", erklärte Andrea Fischer von der EnergieAgentur.NRW.

Fazit: Auf dem Weg zu einer Kommune, die den Klimawandel in ihrer Stadtentwicklung bewusst berücksichtigt, bedarf eines interdisziplinären Vorgehens. Nur ein kluges Zusammenspiel von Verwaltungen und Energiewirtschaft, Kommunalpolitik und Stadtplanern und vielen anderen Akteuren wird dazuführen, dass die Klimakommune Gegenwart wird.