Public Manager
16.11.2007 | Klima- und Umweltschutz

Bayern ist Klimakompetenzregion

Mit dem ''Klimaprogramm Bayern 2020'' wird der Freistaat seine Stellung als deutschlandweit führende Klimakompetenzregion weiter festigen. Dies betonte Bayerns Umweltminister Otmar Bernhard heute bei der Vorstellung des Programms in München.

Bernhard: "In Sachen Klimaschutz liegt Bayern schon bundesweit in der Spitzengruppe. Jetzt verstärken wir die laufenden Klimaschutz-Anstrengungen in den nächsten 4 Jahren noch einmal um weitere 350 Millionen Euro mit einem auf die spezifischen Verhältnisse in Bayern zugeschnittenen Maßnahmenpaket. Denn unser Land ist vom Klimawandel besonders betroffen. Die Alpen haben sich in den vergangenen 100 Jahren doppelt so stark erwärmt wie im globalen Durchschnitt."

Ziel des Programms ist es, Treibhausgase zu verringern, sich an die unvermeidlichen Folgen des Klimawandels anzupassen und durch Forschung eine fundierte Datenbasis für weitergehende strategische Entscheidungen vorzuhalten. "Dem Klimawandel zu begegnen, ist für Bayern Herausforderung und Chance zugleich", so Bernhard; "denn bayerische Unternehmen sind führend bei der Umwelttechnik; ihnen bieten sich durch die Investitionsanreize zusätzliche Wachstumschancen und neue Arbeitsplätze. Die energetische Sanierung von Gebäuden bringt Aufträge für das heimische Handwerk."

Das Klimaprogramm wurde zusammen mit dem Bayerischen Klimarat entwickelt, der seit April 2007 die Staatsregierung in ihrer Klimapolitik berät. Aus über 150 Maßnahmen wurden 14 Schwerpunkte festgelegt, die einen hohen Kosten-Nutzen-Faktor aufweisen: Zur Minderung der Treibhausgas-Emissionen werden 223 Millionen Euro bereit gestellt. Die Mittel werden Bernhard zufolge vorwiegend zur energetischen Sanierung von Gebäude eingesetzt. "Mit einem Aufwand von 40 Euro lassen sich bei den wirksamsten Maßnahmen eine Tonne CO2, also rund 280 Liter Heizöl einsparen. Bei einem derzeitigen Heizölpreis von knapp 70 Euro für 100 Liter rentiert sich das enorm", so der Minister. Bayern werde daher mit 186 Millionen Euro die energetische Sanierung staatlicher, kommunaler und kirchlicher Liegenschaften vorantreiben. Dazu zählen auch Schulen, Kindertagesstätten und (Schul-)Turnhallen.

Als weiterer Schwerpunkt wird die Staatsregierung Erneuerbare Energie noch stärker fördern. Bernhard: "Bayern ist bei den Erneuerbaren eine Klasse für sich; ein Drittel der deutschen Biomasse-Energie, 60 Prozent des deutschen Wasserkraftstroms und über die Hälfte des deutschen Solarstroms ist weiß-blau." Auch wenn der Anteil Bayerns an den weltweiten Treibhausgasemissionen insgesamt sehr gering ist, so der Minister, will der Freistaat seine Vorreiterrolle dennoch weiter ausbauen. Damit werde auch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert. Ziel ist es, den Anteil Erneuerbarer Energien an der Energieversorgung von derzeit 8 auf 16 Prozent bis 2020 zu verdoppeln. Hierfür stehen 28 Millionen Euro zur Verfügung.

"Viel heißes Tiefenwasser und grüne Fluren sind im Freistaat besonders günstige Voraussetzungen für Geothermie und Biomasse. Dies gilt es noch stärker zu nutzen. Bayern hat nach den Worten Bernhards zudem frühzeitig erkannt, dass man sich an die unvermeidbaren Auswirkungen des Klimawandels anpassen muss. Deshalb sind Entwicklung und Umsetzung regionaler Anpassungsstrategien in allen Sektoren an im Rahmen der nationalen Anpassungsstrategie wichtiger Bestandteil des bayerischen Klimaschutzprogramms; 85 Millionen Euro werden dafür in den nächsten Jahren zusätzlich eingesetzt." Ob höhere Deiche wegen schlimmerer Hochwasser, mehr Brunnen und Wasserschutzgebiete für Trockenzeiten, alpine Risikokarten wegen vermehrter Felsstürze oder zusätzliche Artenhilfsprogramme gegen das Artensterben, der Klimawandel verlangt Anpassungsstrategien in vielen Bereichen", so Bernhard.

Durch zunehmende Unwetterereignisse und Dürreperioden wird ein jährliches Schadenspotenzial, wenn nichts geschieht, von bis zu 850 Millionen Euro für Bayern prognostiziert. Deshalb wird von dem 260.000 Hektar akut gefährdeten Fichtenbestand 100.000 Hektar in klimatoleranten Mischwald umgebaut und der Bergwald und seine lebenswichtigen Schutzfunktionen nachhaltig für die erheblichen Klimaveränderungen im Alpenraum stabilisiert. Als dritte Säule des Klimaprogramms wurde Bernhard zufolge ein 42 Millionen Euro schweres Forschungs- und Entwicklungsprogramm aufgelegt. Dieses sei Basis für die Entwicklung fundierter regionaler Strategien hinsichtlich Anpassung, Schadensverhinderung und Vorsorge. Unter anderem werden Interdisziplinäre Forschungsverbünde eingerichtet zu Auswirkungen des Klimas auf Ökosysteme und klimatische Anpassungsstrategien, zu Ressourcenschonende Technologien und zu Kraftwerke des 21. Jahrhunderts. Wegen der zu erwartenden Auswirkungen der Klimaerwärmung (erhöhte Sterblichkeit durch Hitzewellen im Sommer, Zunahme allergischer Beschwerden, Ausbreitung von Infektionskrankheiten, erhöhtes Hautkrebsrisiko) sind die Forschungsaktivitäten und die Erarbeitung von Vorsorge- und Anpassungsstrategien im Hinblick auf die gesundheitlichen Folgen zu verstärken. Neben der Gewinnung von Treibstoffen aus erneuerbaren Energien, der CO2-neutralen Erzeugung von Wasserstoff, der CO2-Abtrennung im Kraftwerksbereich und effizienten Solarkraftwerken soll auch die Energieeffizienz durch innovative Leichtbauweisen von Kfz erhöht werden.